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Will ein Unternehmer die Ertragslage verbessern, hat er zwei Möglichkeiten: Er versucht seine Einnahmen zu erhöhen oder seine Kosten zu senken. Beides zusammen wirkt noch besser. Einen dritten Weg gibt es nicht. Aber auf dem stark umkämpften Fahrschulmarkt fällt die Steigerung der Erlöse nicht gerade leicht. Deshalb suchen umsichtige Fahrschulinhaber immer wieder nach Wegen, die Kosten ihres Betriebes zu senken.
Dabei muss in zwei Richtungen gedacht werden. Zum einen gibt es in (fast) jedem Betrieb vermeidbare Ausgaben: die eine oder andere Zeitschrift, nutzlos lange eingeschaltete Reklamebeleuchtung, überflüssige Telefonate, die Anschaffung überzogen ausgestatteter PC oder entbehrlicher Software usw. Jeder einzelne Ausgabenposten muss auf den Prüfstand.
- Nicht am falschen Fleck sparen
Zugleich muss versucht werden, die unvermeidbaren Kosten so gering als möglich zu halten. Dazu gehört die Beschaffung und Wartung der notwendigen Betriebsmittel wie beispielsweise der Fahrzeuge, aber auch der Einkauf von Verbrauchsmaterial wie Papier, Druckerpatronen, Lehrmaterial usw. Ob und auf welche liebgewonnenen, aber nicht absolut notwendigen Dinge man verzichten will, ist vor allem auch eine Frage der persönlichen Interessen und Neigungen: Einer hält den Bezug von Automobil- oder Motorradzeitschriften für unverzichtbar, ein anderer hingegen will auf aktuelle Urteilsammlungen nicht verzichten.
Selbstverständlich muss immer auch gut überlegt werden, ob eine Sparmaßnahme wirklich von Vorteil ist.
Versicherungsprämien durch Herabsetzung des Leistungsumfangs zu sparen, kann ein gewagter Schritt sein. Wer wenig auf der hohen Kante hat, muss sich gut überlegen, ob z.B. der Verzicht auf eine Vollkaskoversicherung am Ende nicht ein zu hohes Risiko für ihn ist.
- Das Billigste kann das Teuerste werden
Auch beim Kauf von Ausbildungsfahrzeugen kann man sparen - doch Vorsicht, manchmal wird das Eingesparte durch hohe laufende Kosten mehr als aufgezehrt, sodass am Ende ein etwas teureres Fahrzeug deutlich preiswerter gewesen wäre.
Kleinere Unternehmen, wozu die meisten Fahrschulen gehören, können nicht mit der Abnahme großer Mengen "drohen" und hohe Rabatte herausschlagen. So gesehen ist es nicht verwunderlich, wenn sich Kolleginnen und Kollegen darüber Gedanken machen, ob und ggf. wie durch gemeinsamen Einkauf Kosten reduziert werden könnten.
- "Einkaufgenossenschaft" Verband?
Solche Erwartungen richten sich immer wieder einmal auch an den Verband, besonders auch mit Blick auf Möglichkeiten günstiger Finanzierungen. Der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. kam diesen Wünschen in der Vergangenheit immer nach, wenn es sinnvoll erschien und möglich war. Erinnert sei an die Gruppenversicherungsverträge, die Großverbraucherrabatte beim Fahrzeugkauf, Gruppenverträge mit Telefonprovidern, aber auch an die Einkaufsmöglichkeiten bei Reifenhändlern.
Dies erscheint jedoch vielen Mitgliedern nicht genug; zumal in letzter Zeit Fahrschulen flächendeckend mit äußerst attraktiv erscheinenden Angeboten konfrontiert wurden. Günstige Telefontarife, niedrigere Kraftstoffpreise, höhere Rabatte beim Fahrzeugkauf und noch andere Versprechungen werden da gemacht.
- Man muss nur den Bleistift spitzen...
Wer sich einmal in Ruhe hinsetzt und die Angebote kritisch prüft, stellt sehr schnell fest, dass die Erfüllung der Versprechungen äußerst unwahrscheinlich ist.
Das nachstehende Beispiel "Gemeinsamer Kraftstoffeinkauf" klärt auf:
In Baden-Württemberg wurden im zurückliegenden Jahr rund 115.000 Fahrschüler der Klasse B ausgebildet. Angenommen, ein Fahrschüler legt etwa 865 Kilometer zurück, so kommt man in ganz Baden-Württemberg pro Jahr auf etwa 100 Millionen Kilometer. Nimmt man einen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Liter pro 100 Kilometer an, haben alle baden-württembergischen Fahrschulen zusammen etwa 5,5 Millionen Liter Kraftstoff verbraucht. Würde es gelingen den Kraftstoffeinkauf aller baden-württembergischen Fahrschulen zentral zu steuern, könnte auf dem ohnehin heiß umkämpften Markt vielleicht (?) ein Rabatt von € 0.03 je Liter ausgehandelt werden. Dies würde brutto zu Einsparung in Höhe von 165.000 € führen.
- Eine Milchmädchenrechnung
Das Unternehmen, das den Rabatt aushandelt, müsste auch die Abrechnung mit den Fahrschulen und dem Kraftstoffkonzern übernehmen. Ein wesentlicher Teil des Rabatts würde aber von Verwaltungskosten aufgezehrt, denn es müssten Mitarbeiter beschäftigt und bezahlt werden. Selbst bei kleinen Gehältern und geringsten Arbeitsplatzkosten könnte das Unternehmen den Fahrschulen nur einen Bruchteil der oben genannten Summe weitergeben.
Für die einzelne Fahrschule kämen im allerbesten Falle € 20 bis 25 pro Jahr heraus. Dies würde aber, wie gesagt, voraussetzen, dass sich jede Fahrschule in Baden-Württemberg dieser Vereinbarung anschließt und bereit wäre, die Kontakte zur bisherigen Tankstelle zu beenden. Alle dürften nur noch bei dem einen Konzern tanken. Fahrschulinhabern ist es aber meist sehr wichtig, den Kontakt zu den lokalen Tankstellen zu pflegen.
- Bestechende Idee! - aber auch realistisch?
Ähnliche Rechnungen lassen sich leicht für alle anderen Bereiche aufstellen. Wo der Verband in der Vergangenheit aktiv wurde, hat dies den Mitgliedsfahrschulen kleine Einsparungen gebracht, weil der Verband keine Kosten für Service- und Abrechnungsleistungen erhob. Allerdings sind auf dem Telefon- und auch dem Strommarkt die Konditionen noch immer sehr schwankend. Ein heute noch günstiger Anbieter kann morgen im Mittelfeld liegen oder ganz von der Bildfläche verschwunden sein.
Beim Einkauf der Fahrzeuge hat die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. bereits mit allen deutschen Fahrzeugherstellern enge Kontakte und erreicht, dass alle Fahrschulen in den Genuß der Flottenrabatte kommen.
In den 60er Jahren haben idealistische Kollegen in Baden-Württemberg eine Einkaufsgenossenschaft für Fahrschulen gegründet.
Hauptziel war, günstige Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen. Die Genossenschaft ist nicht zuletzt am ausgeprägten Individualismus der Fahrlehrer gescheitert. Auch als die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. vor einigen Jahren mit einem großen Reifenhändler günstige Konditionen vereinbart hatte, teilten viele Mitglieder der Geschäftsstelle mit, dass sie bei ihrem Reifenhändler am Ort nach einem sachlichen Gespräch ähnliche, teilweise sogar noch günstigere Preise eingeräumt bekamen.
Fazit:
Erwartungen auf günstige Einkaufskonditionen zu wecken ist einfach. Diese jedoch zu erfüllen, ist äußerst schwierig, höchstwahrscheinlich aber unmöglich.
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