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"Wie stark soll man bei Gefahr bremsen?" Richtige Antwort: "Nur so stark, dass die Räder nicht blockieren." Bis weit in die 80er-Jahre hinein stand dieser Schwachsinn im amtlichen Prüfungskatalog der theoretischen Fahrerlaubnis-Prüfung. Muss man sich da wundern, dass auch heute noch viele Autofahrer bei Gefahr so bremsen?
Es ist freilich längst keine Neuigkeit mehr, dass durch entschlossenes,
blitzschnelles Bremsen mit voller Kraft viele Unfälle vermieden oder wenigsten in ihren Folgen gemindert werden könnten. Seit anderthalb Jahrzehnten hat der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. dafür geworben und gekämpft, dass die Gefahrbremsung ein verbindlicher Gegenstand der Pkw-Ausbildung und
-Prüfung wird.

Jetzt ist es endlich soweit: Fahranfänger lernen das richtige Bremsen bei Gefahr in der Fahrschule, und ab 1. November, also in wenigen Wochen, müssen sie in der
praktischen Prüfung zeigen, dass sie die Grundfahraufgabe Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung beherrschen.
- Ausbildung schon seit fast 4 Jahren
Zwar schreibt die Fahrschüler-Ausbildungsordnung seit 01.01.1999 das Bremsen bei Gefahr für Klassen verbindlich vor. Aber der altbekannte Spruch "Was nicht geprüft wird, wird auch nicht gelehrt" ist nicht ganz abwegig. Deshalb auch der nachdrückliche Einsatz des Verbandes für die verbindliche Aufnahme dieser Aufgabe in die Prüfung.
In der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift war angekündigt, der Vorstand des
Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg e.V. und die Leitung der Technischen Prüfstelle des TÜV in Baden-Württemberg würden gemeinsam Informationsveranstaltungen für Prüfer und
Fahrlehrer durchführen. Am 09. September war es soweit. Drei Informationsrunden waren für diesen Tag geplant. Die erste sollte um 08.00 Uhr beginnen. Doch schon um 07.30 Uhr trafen die ersten Kolleginnen und Kollegen bei dem zur Mercedes-Benz
Niederlassung Stuttgart gehörenden Forum in Stgt.-Feuerbach ein. 137 Personen hatten sich angemeldet. Als Peter Tschöpe pünktlich um 08.00 Uhr die Teilnehmer willkommen hieß, waren bereits alle Sitzplätze belegt, eine große Zahl von Teilnehmern musste stehen.
Peter Tschöpe wies bei der Begrüßung nachdrücklich auf das gemeinsame Ziel von Ausbildung und Prüfung hin. Es gehe vor allem um die Erhöhung der
Verkehrssicherheit der jungen Fahrerinnen und Fahrer. Schon in der Frühe beim ersten Durchgang brachten die Herren Hirner und Hilgers sowie später Herr Mentis aus den zur
Niederlassung Stuttgart gehörenden Centers ihr lebhaftes Interesse an der Veranstaltung zum Ausdruck.
- Mercedes Forum - Ort der Begegnung
Im Anschluss an Peter Tschöpe sprach der Hausherr, Direktor Thomas Zell, Leiter der Mercedes-Benz Niederlassung Stuttgart. Er stellte das Forum als einen Ort vor, an dem Neu- und Gebrauchtfahrzeuge zwanglos besichtigt und Kunden ihre neuen
Fahrzeuge abholen können. Mit unverkennbarer Freude wies er auf das Forum als eine Stätte regelmäßiger kultureller Ereignisse hin. Am heutigen Tag jedoch, so Zell, sollen sich hier die Ausbilder und Prüfer der jungen
Fahrerinnen und Fahrer zum fachlichen Austausch begegnen, und beide sollen diesen Tag auch als Begegnung mit dem
Hause Mercedes-Benz erfahren. Zell wünschte, die Veranstaltung möge der gelungene Startschuss für viele weitere Begegnungen der Fahrlehrer mit dem Hause Mercedes-Benz sein. Er freue sich jedenfalls sehr, dass seine Niederlassung Gastgeber der Auftaktveranstaltungen sein dürfe.
- TÜV: Gemeinsame Vorbereitung
Der Vertreter des TÜV, Herr Madeia, sprach in Vertretung des TP-Leiters. Er betonte, die Veranstaltung sei gemeinsam vom Vorstand des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. und der TP-Leitung des TÜV in Baden-Württemberg vorbereitet worden.
Die Zeit zwischen Verkündung der
Verordnung und dem Tag des Inkrafttretens sei äußerst knapp. Trotzdem sei für die TP-Leitung klar gewesen, dass man in der
kurzen Zeitspanne alle Sachverständigen und Prüfer umfassend informieren müsse. Dabei habe es sich gut getroffen, dass der
Vorstand des Fahrlehrerverbandes ebenfalls die Einweisung seiner Mitglieder plante. Gerne habe die TP-Leitung den Vorschlag des Verbandes aufgegriffen, beide,
Ausbilder und Prüfer, gemeinsam auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Bei den neuen Grundfahraufgaben für Krafträder Anfang der 80er-Jahre wie auch bei der Einführung der neuen Prüfungsanforderungen für die damalige Klasse 2 habe sich die
Zusammenarbeit bewährt. Madeia wünschte allen Beteiligten, die Einführung dieser neuen Aufgabe möge ebenso reibungslos vonstatten gehen.
- Praxisorientierte Anwendung
Dann ging es zur Sache. Zunächst wurde ein kurzes Unterrichtsvideo über die neue Grundfahraufgabe vorgeführt. Danach
erläuterte Peter Tschöpe in einer kurzen PowerPoint-Präsentation
- die Beschreibung der Aufgabe,
- die Fehlerbewertung in der Prüfung u.
- einige wichtige Rahmenbedingungen.
Mit Erleichterung nahmen Prüfer und
Fahrlehrer zur Kenntnis, dass die Absicherung nach hinten ausschließlich beim Fahrlehrer liegt, weshalb der auch die konkrete
Anweisung zur Durchführung der Bremsung zu geben hat. Die Aufgabe spielt sich wie in der Realität ab: Wer erkennt, dass ihm ein Lkw die Vorfahrt nimmt, schaut nicht zuerst in den Spiegel, sondern steigt mit voller Kraft in die Eisen. Tschöpe: "Für diese Aufgabe braucht es keine speziellen Strecken, es kommt nur auf die konkrete Situation an." Wenn auf entsprechend weite
Entfernung kein Fahrzeug folge, könne diese Aufgabe sowohl innerorts als auch außerorts durchgeführt werden. Entscheidend sei, dass durch das Manöver nachfolgender Verkehr nicht gefährdet und andere nicht erschreckt würden. Die Bremsung sei abwechselnd auf einer möglichst großen Zahl verschiedener Straßen auszubilden und zu prüfen, es dürften sich dafür keine "Spezialstrecken" herausbilden, auf denen dann eine ungebührliche Belastung für die Anwohner entstehe. Schon heute gebe es einige Orte, wo sich die Bewohner über die Belastung durch die Grundfahraufgaben der Motorradfahrschüler beschwerten. Es sei ein Zeichen von Klugheit, darauf Rücksicht zu nehmen. Dabei helfe sicher auch, in den nächsten Wochen bewusst nach Örtlichkeiten zur Durchführung dieser Grundfahraufgabe Ausschau zu halten.
- Rahmenprogramm nach Mercedes-Art
Neben der Präsentation und Diskussion der neuen Fahraufgabe hatte die Leitung der Mercedes-Benz Niederlassung einen
Informationsstand eingerichtet, an dem man sich sein Wunschfahrzeug konfigurieren lassen konnte. Auch bestand die Möglichkeit, sich sofort über Anschaffungs- und
Betriebskosten des Fahrzeugs sowie über Finanzierung und Leasing zu informieren.
Damit die Fahrzeuge nicht nur am PC bzw. auf Papier bewundert werden konnten, hatte die Niederlassung acht verschiedene Typen für Probefahrten bereit gestellt:
A-Klasse, Vaneo, C-, E- und M-Klasse, ja sogar einen SLK. Von der Möglichkeit der Probefahrten, auch mit Fahrzeugen, die nicht als typische Fahrschulfahrzeuge anzusehen sind, machten viele mit offensichtlichem Vergnügen den ganzen Tag über regen Gebrauch. Die Probefahrten verband man, das lag nahe, mit dem Üben der
Gefahrbremsung. Alle Fahrzeuge kamen ohne Schaden zurück, was zeigte, dass es auch auf Straßen rund um eine Großstadt Möglichkeiten gibt, die Gefahrbremsung durchzuführen.
Mit großem Interesse - man kann fast sagen technischer Begeisterung - verfolgten
Fahrlehrer und Prüfer die Demonstrationsfahrten der Herren Bäumler und Pfisterer,
Mitarbeiter der Mercedes-Benz Fahrprogramme. Sie boten Gefahrbremsungen live und die eindrucksvolle Wirkung des Fahrstabilitätsprogramms ESP.
- Fahrlehrerversicherung präsent
Wo so viele Fahrlehrer zusammenkommen, darf die Fahrlehrerversicherung nicht fehlen. Direktionsbeauftragter Jörg Pfitzer war vor Ort und nützte die Gelegenheit, bestehende Kundenkontakte zu festigen und neue anzubahnen.
Im Urteil der Kolleginnen und Kollegen war der Tag bei Mercedes eine gute
Gelegenheit, sich über die Neuerungen zu informieren und eine gemeinsame Linie für die Prüfung zu finden. Eine rundherum gelungene Veranstaltung. Und nicht zu vergessen: Gute Gespräche unter allen Beteiligten gab es auch.
Jürgen Bauer
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