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25 Jahre erfolgreiche Fahrlehrer-Fortbildung mit und bei Mercedes! Wenn das kein Grund zum Feiern gewesen wäre! Das Jubiläumsseminar sollte nach dem Willen von Kurt Metz von der Fahrerinformation des DaimlerChrysler Lkw-Werks in Wörth ein dem Anlass entsprechendes Ereignis sein. Deshalb diesmal der Sachsenring, wo Metz und seine Mannschaft alles Mercedes like vorbereitet hatten. Neben brillanter Organisation und qualitätsvollen Seminarinhalten waren die Teilnehmer vor allem von der gekonnten Darbietung aktueller Lkw-Technik
beeindruckt.
Zu Beginn begrüßte Kurt Metz die Teilnehmer im Namen von
Thomas Abele, Leiter der Fahrerinformation, und gab einen kurzen Überblick über den
Seminarablauf und die Seminarinhalte.
Mit sehr warmen Worten bedankte sich Peter Tschöpe, Vorsitzender des
Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., bei Frau Katrin Lange von der
DaimlerChrysler Vertriebsorganisation in Berlin, die Kurt Metz bei der Vorbereitung des "silbernen" Seminars tatkräftig unterstützt hatte.
Ebenso herzlicher Dank galt Hubertus
Goldkuhle, bei der Berliner Vertriebszentrale für Nutzfahrzeuge zuständig für die Betreuung der Verbände.

Alle Teilnehmer und Instruktoren
Ein Pilotseminar - und viele folgten
Tschöpe ging kurz auf die Historie der
Seminare ein und führte u. a. aus:
Der Anlass für das Jubiläumsseminar geht auf das Frühjahr 1978 zurück. Der damalige Leiter der Fahrerinformation, Peter
Scheurenbrand, und der seinerzeitige Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., Gebhard L. Heiler, hätten ein Pilotseminar für Fahrlehrer der Klasse 2
vereinbart, das auch bald danach stattgefunden hat. Zu jener Zeit wurden angehende Lkw-Fahrer meist noch auf Bussen ausgebildet. So war der Umgang mit modernen Lkw für viele Seminarteilnehmer technisches Neuland. Heiler und Scheurenbrand wollten das dringend ändern, und zwar rasch. Sie kamen überein, im praktischen Teil des Seminars beladene
Last- und Sattelzüge einzusetzen und die Fahrlehrer auf anspruchsvollen Strecken fit zu machen. Der Schliffkopf im Schwarzwald war über Jahre bevorzugtes Ziel. Zum ersten Mal gab es für Lkw-Fahrlehrer aus der ganzen Republik ein Zentrum hochqualifizierter, spezifischer Fortbildung, bei der exakt die Fahrzeuge eingesetzt wurden, mit denen ihre Kunden nach bestandener Prüfung unterwegs waren.
Renner auf dem Fortbildungsmarkt
Schon kurz danach waren die Wörther Kurse zum Renner geworden. Lange
Wartelisten mit Namen aus allen Bundesländern zeugten davon, dass Qualität und praktischer Nutzen dieser Seminare bald in aller Munde waren. Seitdem wurden in 220 Wörther Seminaren rund 6.200 Fahrlehrer mit dem jeweils letzten Stand der
Nutzfahrzeugtechnik vertraut gemacht.

MP 2 - das neue Fraggschiff
Technik - aber nicht nur
Dieter Hildebrand und Anton Thomas
waren die Technik-Dozenten der ersten Jahre. Später stieß Kurt Metz
zum Team. Dank ihres tiefgründigen Wissens und ihrer Einfühlungsgabe fanden sie rasch Zugang zu den Fahrlehrern. Die
Seminare waren von Anfang an als Fortbildungsmaßnahme im Sinne des
Fahrlehrergesetzes anerkannt, denn neben der Technik waren Pädagogik und Recht wichtige Fächer.
Diplom-Psychologe Horst Maßholder faszinierte die Seminarteilnehmer in den ersten Jahren mit seinen Referaten über
Unterrichtskommunikation ebenso wie Oberstaatsanwalt Vieth, der über
Haftungsfragen, speziell im Bereich der Nutzfahrzeuge, referierte. „Auch ich war von Anfang an dabei und versuchte, den Kolleginnen und Kollegen vertiefte Einblicke in die StVZO, das Fahrlehrerrecht und die
Sozialvorschriften zu vermitteln und sie mit den jeweiligen Neuerungen vertraut zu machen. Später übernahm
Peter Mindorf, der an der Akademie der Polizei in Baden-Württemberg lehrte, das Thema
Sozialvorschriften. Außerdem qualifizierten sich im Laufe der Jahre eine Reihe von
Fahrlehrern als Instruktoren der praktischen Unterweisung“, schloss Tschöpe seinen Rückblick.
Zurück in die Gegenwart
Mit einem brillanten Referat führte Kurt Metz in den heutigen Stand der Lkw-Technik ein. Dabei sprach er nicht nur über die Produkte seines Hauses, sondern spannte erfreulicherweise immer auch den Bogen zu Systemen anderer Hersteller. Elektropneumatische Bremsanlagen,
Fahrerassistenz-Systeme, Fahrdynamikregelung, Spurassistent,
Telligent-Wankregelung, Telligent-Abstandsregelung u.v.m. waren seine Themen. Kurt Metz, ein wandelndes Fachbuch der Lkw-Technik, blieb auf keine Frage der hoch motivierten
Teilnehmer eine Antwort schuldig.

Volles Haus - Technik packend dargeboten
Die Mercedes-Benz Fahrphilosophie
Am Nachmittag stand die Mercedes-Benz Fahrphilosophie im Mittelpunkt. Mit einem eigens dafür entwickelten Multimedia-Programm vermittelte Kurt Metz den Teilnehmern wichtige Verhaltensmuster des wirtschaftlichen und umweltschonenden Fahrens. Damit nicht genug, erhielten alle Teilnehmer ein Exemplar des hervorragenden Konzepts für den Gebrauch in ihren Betrieben.
Go-Kart statt Brummi
Für den Abend hatten sich die Veranstalter außer einem delikaten Abendessen ein zusätzliches Schmankerl einfallen lassen:
Mit den kleinen Flitzern konnten es die Fahrlehrer auf der Kartbahn den Schumis gleichtun. Nach einem ausgiebigen
Zeittraining traten die 8 schnellsten in einem packenden Finale gegeneinander an. Sieger des Abends wurde Kollege Heiko Rödel aus Berg, den zweiten Platz belegte Marcus Wolfart aus Osterburken und auf dem dritten Platz landete Gaston Schwärzer aus Lemgo.

Fun-Sport am Abend - ein angenehmer Ausgleich
Verschärfte Übungen für Fahrlehrer
Am zweiten Tag ging es in zwei Gruppen weiter. Während die einen mit
Peter Mindorf den kniffligen Verästelungen der
Sozialvorschriften nachspürten, hatten die anderen Gelegenheit, unter Anleitung der
Instruktoren um Walter Haller praktische Übungen mit voll beladenen Lastzügen zu fahren. Die altbekannte Grundfahraufgabe der Klasse CE, mit dem Lastzug einmal rückwärts um die Ecke, hatten die Veranstalter für die Fahrlehrer durch Spurgasse verschärft.
Auch das seitliche Versetzen eines
Sattelkraftfahrzeuges wurde entsprechend gewürzt: seitliches Versetzen um 2,50 Meter bei auf 19 Meter verkürzter Strecke.

Mit einem Starrdeichselanhänger zu fahren, gehört nicht unbedingt zum Repertoire jedes CE-Fahrlehrers. Doch diese Übung wurde ebenso probiert wie das Rangieren eines Anhängers über Kopf (siehe Bild oben). Dass letztere Übung eine hilfreiche Vorübung für die
Grundfahraufgaben der Klasse CE sein kann, leuchtete ein. Das Auf- und Abbrücken von
Wechselaufbauten war eine weitere Übung, die bei den Teilnehmern ungeteilte Aufmerksamkeit fand.
Arbeitsessen am Abend
Für den Abend lud die FSG/TTVA mbH die Teilnehmer zu einem rustikalen Büffet ins Hotel Meerane ein. Dabei informierte Peter Tschöpe die Teilnehmer zu
Beginn über die für Fahrlehrer wesentlichen Punkte der FeV-ÄnderungsVO sowie über die anstehende Umsetzung des Annex II zur EU-Führerscheinrichtlinie. Danach aber war Feierabend und für die Kollegen aus nah und fern Gelegenheit, sich in gemütlicher Runde auszutauschen. Auch Kollege Scharmel, stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Sachsen, gehörte zu dieser Runde.


Sicherheitstraining mit voll beladenem Zug
Dritter Tag: Lkw-Sicherheitstraining
Gespannt kamen die Teilnehmer am Morgen des dritten Tags zum Sachsenring, denn auf dem Programm stand ein Lkw-Sicherheitstraining mit voll beladenen Fahrzeugen und Zügen. Nach Vorstellung der Instruktoren durch den Leiter der Mercedes-Benz Fahrprogramme, Lutz Streifling, führte Chefinstruktor Fritz Hirschberger die Teilnehmer durch den theoretischen Teil.
Dann ging es in vier Gruppen mit unterschiedlichen Fahraufgaben weiter. Im
Tanksattelzug (siehe Bild rechts oben) mit Tempo 40 in Richtung einer Kurve zu brausen, kostete einige Fahrlehrer erhebliche Überwindung. Als dann aber die Stabilitätsregelung eingriff und die Geschwindigkeit kurvengerecht entschärfte, waren alle sehr beeindruckt, brachte aber auch manchen ins Grübeln.
Die Gesetze der Physik sind nicht manipulierbar
Systeme dieser Art, so die kritische Überlegung, könnten vielleicht dazu führen, dass Fahrer im blinden
Vertrauen auf diese höheren Risiken eingehen und so den eigentlich Sinn dieser Hilfen ins verhängnisvolle
Gegenteil verkehren. Dass der Fahrlehrer hier eine ganz wichtige Aufgabe hat, ist klar. Er muss seinen
Fahrschülern immer wieder verdeutlichen, dass die Gesetze der Physik durch kein noch so raffiniertes Hilfssystem außer Kraft gesetzt werden können. Lehrreich war auch die Zielbremsung (siehe Bild unten) mit voll beladenen Lastzügen und
Sattelkraftfahrzeugen aus 25 km/h und aus 50 km/h.

Und es ging weiter mit fahrphysikalischen Übungen: Im Driftkreis das Über- und das Untersteuern eines Schwerfahrzeugs
erfahren, Lastzüge mit 40 km/h auf nasser Fahrbahn (siehe Bild oben) abbremsen und an einem Hindernis vorbeilenken, mit einem Lkw ein 9%iges Gefälle befahren und die Geschwindigkeit so wählen, dass das
Fahrzeug auf schneeglatter Fahrbahn innerhalb der vorgegebenen Strecke von 80 Metern zum Stillstand kommt, und schließlich Slalom fahren.

Neues über Reifen
Zwischen den Übungen wurden die Teilnehmer durch
Ingo Vogel von Michelin über Neuentwicklungen bei Reifen
informiert. Eine von Michelin durchgeführte Untersuchung brachte Erstaunliches zu Tage: Messungen an mehreren Hundert Lkw zeigten, dass nur etwa ein Viertel der Fahrzeuge mit dem jeweils für die
Vorder- und Hinterachsen korrekten Reifendruck fuhren. An der Vorderachse wurde bei 53%, an der Hinterachse bei 29% der Fahrzeuge ein zu geringer Druck gemessen. Zu hoher Druck wurde bei 23% an der Vorderachse und bei 46% an der Hinterachse festgestellt. Mit einer Grafik machte Ingo Vogel deutlich, dass sowohl zu hoher als auch zu geringer Druck gleichermaßen schädlich für die Lebensdauer der Reifen und die
Verkehrssicherheit ist. Eine Abweichung um 0,25 bar vom vorgegebenen Druck nach oben oder nach unten ist nach den Erkenntnissen der Reifenhersteller tolerabel. Wird der vom Hersteller vorgegebene Druck um 0,5 oder mehr bar über- oder unterschritten, ist der kritische Bereich bereits erreicht.
Manöverkritik
Zum Schluss des Seminars trafen sich die Teilnehmer noch einmal im großen Unterrichtsraum zu einer "Feedback-Runde". Die Ah und Oh der Überraschung waren nicht zu überhören, als die Teilnehmer auf ihren Plätzen zwei große Tragetaschen vorfanden, die neben
Informationsbroschüren und schönen Modellfahrzeugen auch ein
Reisenecessaire enthielten. Das war neben der zu Lehrgangsbeginn übergebenen modischen Fahrer-Jacke ein wirklich großzügiges
Jubiläumsgeschenk.
Elogen
Einige Teilnehmer wollten ihre
Seminarbeurteilung nicht nur schriftlich abgeben. Sie wollten ihre Eindrücke persönlich vortragen und fanden dabei Zustimmung von allen Seiten. Dass ein Seminar mit
Sicherheitstraining wiederholt werden möge, zog sich als Wunsch durch alle Äußerungen. Welch ein Lob könnte besser sein? Kurt Metz und Peter Tschöpe verabschiedeten die
Teilnehmer und sagten zu, auch im Jahr 2003 qualitätsvolle Seminare anzubieten.
So wird im nächsten Jahr bei jedem Seminar in Wörth das hochaktuelle Thema
Ladungssicherung breiten Raum haben. Auch die Übung "Vollbremsung mit Sicherheit" wird in die didaktischen Übungen aufgenommen.

Ein herzliches Dankeschön an Katrin Lange
Stimmen
der Teilnehmer
Jochen Rauch, Düren,
nach der Kurvenfahrt mit einem beladenen Sattelzug, bei der die
Fahrdynamikregelung getestet werden konnte: „Es ist schon ein eigenartiges Gefühl. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass man fast nur Passagier ist und das Fahrzeug ‚von alleine arbeitet'. Das Seminar fand ich absolute Spitze."
Helmut Zapf, Bamberg: „Die Fahrdynamikregelung hat bereits zu einem Zeitpunkt eingegriffen, in dem ich als Fahrer noch nicht aktiv geworden wäre. Die moderne Technik ist schon ein riesiger Sicherheitsgewinn. Es besteht aber leider das Risiko, dass Fahrer sich dazu verleiten lassen, auf Grund dieser modernen Technik zu schnell zu fahren."
Frank Hofmann, Wiesbaden: „Das ist eine ganz klasse Veranstaltung. Ich war schon dreimal in Wörth. Die Seminare dort waren immer sehr gut, und ich habe immer viele interessante
Informationen für mich mitgenommen. Aber dieses Seminar ist einfach Spitze."
Thomas Sawarowsky, Hohenstein-Ernstthal:
„Ich wäre normalerweise nicht so schnell in die Kurve gefahren. Vor der Kurve hatte ich Angst. Aber das System gab mir dann doch ein Gefühl der Sicherheit. Allerdings könnte die Technik auch dazu führen, dass Fahrer im Vertrauen auf das System zu schnell fahren."
Karl-Heinrich Haas, Geldern, nach der Übung “Ausweichen vor einem Hindernis“ mit einem Lastzug: „Beim Ausweichen habe ich zuerst viel zu viel gelenkt. Es war ungeheuer wichtig für mich, das, was ich in der Theorie lehre, einmal praktisch zu erfahren. Ich bin sicher, dass ich jetzt in meinem Unterricht einige Themen noch viel intensiver unterrichten werde."
Ingo Pfau, Pilsberg: „Ich war das erste Mal bei einem Seminar der FSG/TTVA. Das Programm war rundum gelungen. Die praktischen Übungen waren natürlich das Highlight. Ich fand es super. Es war ein hammerhartes Programm, das jeden Teilnehmer voll gefordert hat. Die
Abendveranstaltungen haben dafür wieder zur Entspannung beigetragen."
Herrmann Eydner, Oberharmersbach: „Die Übung "Vollbremsung" muss eigentlich jeder
Fahrlehrer drauf haben, weil sie ja seit 1999 in der Fahrschüler-Ausbildungsordnung vorgeschrieben ist. Aber mit einem beladenen Lastzug ist es doch etwas ganz anderes. Und wenn man dann wie hier eine Zielbremsung machen soll, ist das noch einmal ganz anders. Den Gurt habe ich auch als Beifahrer bei der Bremsung nicht gespürt. Das kam aber sicher daher, dass ich darauf vorbereitet war."
Walter Haller, Radolfzell: „Die Fachkompetenz der Instruktoren, aber auch ihre Freundlichkeit hat mich sehr beeindruckt. Obwohl ich seit vielen Jahren bei den Seminaren in Wörth als Instruktor eingesetzt bin, waren besonders die Übungen auf der Gleitfläche und die dabei gemachten
Erfahrungen für mich hoch interessant.“
Christoph Gruler, Wurmlingen, nach der Übung "Befahren eines 9%igen Gefälles bei schneebedeckter Fahrbahn": „Wenn man mit einem Lkw mit 20 km/h ein solches Gefälle befährt und erst nach 80 Metern Bremsweg zum Stillstand kommt, wird einem erst so recht bewusst, dass es lebensgefährlicher Leichtsinn ist, wenn der Fahrer versucht, mit seinem Lastzug eine solche Strecke zu fahren. Aber das muss man, denke ich, erlebt haben. Das kann man sich sonst nicht so recht vorstellen."
Michael Wolf, Nussloch: „Es ist ein überwältigendes Erlebnis mit einem Lkw langsamen Walzer zu tanzen. Wenn es möglich wäre, von dem absolut interessanten theoretischen Teil noch ein
bisschen für die praktischen Übungen abzuzwacken, fände ich das ganz toll."
Klaus Weigelt, Leonberg-Eltingen: „Die Theorie der ersten beiden Tage war ausgezeichnet. Die Technik war absolute Spitze. Bei den Sozialvorschriften hätte ich mir ein bisschen mehr
Praxisbezug gewünscht. Das Training des letzten Tages war überwältigend.
Man kann auch als erfahrener Fahrer sehr viel dazulernen. Bei diesen Übungen reift die Erkenntnis, dass eine noch so ausgereifte Technik die Physik nicht überlisten kann. Das
Fleetboard ist auch eine Supersache. Jetzt kann man den Fahrer nicht nur exakt beobachten. Man kann ihm darüber hinaus auch konkrete Hilfen für einen wirtschaftlichen und damit auch einen sicheren Fahrstil geben."
Adolf Konstandin, Neumarkt: „Die von Herrn Metz dargebotene Technik im theoretischen Teil war einsame Spitze. Das Thema Sozialvorschriften wäre durch mehr praxisbezogene Beispiele sicher noch interessanter geworden als es ohnehin war. Die didaktischen Übungen haben mich sehr überzeugt, sowohl vom Inhalt her als auch von den Leistungen der Instruktoren. Das
Sicherheitstraining war hoch interessant. Mir persönlich wäre ein ECO-Training aber noch wichtiger, weil ein Fahrer mit einem wirtschaftlichen Fahrstil automatisch sicherer fährt."
Gespräch
mit Friedrich Hirschberger
Chefinstruktor Team NF der Mercedes Benz
Fahrprogramme
FPX: Seit wann führen Sie Sicherheitstrainings für Lkw-Fahrer durch?
Hirschberger: Mit diesem Training haben wir im Jahr 1993 begonnen. Normalerweise führen wir das Training mit leeren Fahrzeugen durch, weil damit die physikalischen Grenzen früher erreicht werden. Bei diesem Seminar für Fahrlehrer setzen wir zum ersten Mal voll beladene Lastzüge ein, da Fahrlehrer das notwendige Hintergrundwissen haben, um auch diese Fahrzeuge fahren zu können.
FPX: Wie beurteilen Sie den Kenntnisstand der teilnehmenden Fahrlehrer?
Hirschberger: Das theoretische Wissen der Fahrlehrer ist sehr gut. Die praktische
Erfahrung mit Grenzsituationen ist natürlich nicht vorhanden. Fahrlehrer bilden ja ihre
Fahrschüler so aus, dass Grenzsituationen durch vorausschauendes Fahren vermieden werden. Damit Fahrlehrer aber über Grenzbereiche nicht nur theoretisch Bescheid wissen, müssen sie einmal diese Situationen erfahren können. Nur dann können sie ihre Fahrschüler wirklich fundiert unterrichten. Wichtig ist zu erkennen, dass schon geringe Überschreitungen das Fahrzeug unkontrollierbar machen.
FPX: Wie würden Sie die Lernziele des Seminars zusammenfassen?
Hirschberger: Die Grenze vom sicheren zum unsicheren Fahren wird durch drei Faktoren bestimmt: die Physik, die Technik und den Menschen. Und jeder Fahrer sollte erfahren, dass die Grenze der Physik durch noch so ausgereifte Technik nicht außer Kraft gesetzt werden kann. Fahrerische Grenzen kann die
Technik in einem bestimmten Rahmen ausgleichen.
Gespräch
mit Peter Scheurenbrand
Ehemaliger Leiter der Fahrerinformation
FPX: Herr Scheurenbrand, Sie waren der erste Leiter der Fahrerinformation. Warum wurde diese Abteilung eigentlich gegründet?
Scheurenbrand: Im Jahr 1969 habe ich
zusammen mit meinen Kollegen die Fahrerinformation aufgebaut, weil uns klar war, dass die Fahrer schon bei der Abholung der Fahrzeuge mit der modernen Technik vertraut gemacht werden müssen. Was nützt es, wenn der Fahrzeughersteller die Technik immer mehr
verbessert, aber die Fahrer die Möglichkeiten der neuen Technik nicht kennen und deshalb auch nicht nutzen können.
FPX: Wie kamen Sie dann auf die Idee, Seminare für Fahrlehrer anzubieten?
Scheurenbrand: Im Laufe der Jahre kamen immer wieder einzelne Kreisvereine, aber auch Landesverbände, auf uns zu mit der Bitte, Fahrlehrern in eintägigen Seminaren die moderne Technik zu erklären. Wir sind diesen Bitten immer gerne nachgekommen. Allerdings stießen wir bald an organisatorische Grenzen. Ich traf mich dann mit dem damaligen
Vorsitzenden des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., Herrn Heiler. Dieser war gleichzeitig auch stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der
Fahrlehrerverbände e.V. Dieses Treffen war, glaube ich, im Herbst 1977. Herr Heiler überzeugte mich sehr schnell, dass es sinnvoll sei, wenn wir in den Seminaren nicht nur technische Informationen vermittelten, sondern auch andere Bereiche wie Pädagogik und Rechtskunde abdecken würden. Dann wäre es möglich, für die
Seminare die Anerkennung nach § 33a FahrlG zu bekommen. Außerdem schien es uns beiden wichtig, auch fahrpraktische Teile in das
Seminar einzubauen. Herr Heiler wurde dann von der Bundesvereinigung der
Fahrlehrerverbände e.V. beauftragt, die Seminare zu organisieren und mit uns zusammen durchzuführen. Wir sind dann im Juli 1978 mit dem
Pilotseminar gestartet.
FPX: Und wie ging es dann weiter?
Scheurenbrand: Die ersten Seminare waren innerhalb von wenigen Wochen total ausgebucht. Man muss sich ja in Erinnerung rufen, dass damals die meisten Fahrlehrer auf Bussen ausbildeten. Und die Fahrschulen, die Lkw einsetzten, benutzten in der Regel 7,5-Tonner. Für unsere Teilnehmer war es immer ein besonderes Erlebnis, mit beladenen Lastzügen zu fahren. Allerdings bekamen wir sehr bald Rückmeldungen von unseren Teilnehmern, dass die Sachverständigen in der Führerscheinprüfung noch auf alte
Fahrtraditionen Wert legten. Engagierte, von uns fortgebildete Fahrlehrer, bekamen immer wieder Probleme bei der praktischen Prüfung.
Deshalb habe ich mich an den TÜV in Baden-Württemberg gewandt und fand bei Herrn Dr. Huhs offene Ohren. Wir organisierten spezielle Seminare für die TÜV-Mitarbeiter, um
Ausbildung und Prüfung zu harmonisieren. Mit diesen Seminaren konnten wir zu ganz erheblichen Fortschritten bei der Prüfung beitragen.
FPX: Wenn wir das richtig in Erinnerung haben, fanden im Werk aber nicht nur Seminare für Fahrlehrer und Sachverständige statt. In Wörth wurden doch noch viel weitergehende Ideen konzipiert.
Scheurenbrand: Wenn Sie jetzt auf die sog. Brummi-Runde anspielen, haben Sie Recht. Anfang der 80er Jahre, ich glaube es war im Jahr 1984 trafen wir uns zum ersten Mal im Werk in Wörth mit den Vertretern der
Fahrlehrerschaft, des Bundesverkehrsministeriums und der verladenden Wirtschaft. Es ging darum, die Anforderungen an die Prüfungsfahrzeuge und die Prüfungsinhalte neu zu definieren. Mit von der Partie war auch Frau Dr. Emmerich, die damals das
Kraftfahrtbundesamt leitete. In dieser Runde haben wir dann die Eckdaten für die Prüfungsfahrzeuge der Klasse 2 formuliert. Im Jahr 1986 wurden die Daten dann in die Fahrschüler-Ausbildungsordnung bzw. in die Prüfungsrichtlinie übernommen.
FPX: Wie sehen Sie aus heutiger Sicht die Entwicklung?
Scheurenbrand: Würde es die
Fahrlehrerseminare nicht geben, müsste man sie schleunigst erfinden. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die Seminare nicht nur Fahrlehrern, sondern auch den Sachverständigen des TÜV immer offen stehen müssen. Es ist aus meiner Sicht besser, Fahrlehrer und Sachverständige in gemeinsamen Seminaren zu unterrichten. Nur dann können auch die unterschiedlichen Erfahrungen ausgetauscht werden und vorhandene Schwachstellen schnell erkannt und beseitigt werden. Ich hoffe und wünsche jedenfalls, dass diese Seminare auch in Zukunft erfolgreich angeboten werden und wünsche meinen Nachfolgern immer eine glückliche Hand.
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