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Der Vorstand des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. hat dieses
Thema aufgegriffen und in das Programm der Wörther Seminare für das Jahr 2003 aufgenommen. Daneben werden zwei eintägige Spezialseminare zum Thema Ladungssicherung angeboten, die den Teilnehmern die Bedeutung und
Vielschichtigkeit dieses Themas vermitteln werden. Rolf Dänekas, anerkannter
Experte auf diesem Gebiet, wird die Seminare leiten.
Die Redaktion führte mit ihm das nachfolgend aufgezeichnete Gespräch.
FPX: Herr Dänekas, Sie sind Fachmann für das Thema Ladungssicherung. Wo sind Sie tätig?
Dänekas: Ich bin von der Industrie- und Handelskammer zu Aachen öffentlich
bestellter und vereidigter Sachverständiger für Ladungssicherung und Anschlagtechnik im Landverkehr und bin als freier Sachverständiger auch als Fachkraft für
Arbeitssicherheit und Gefahrgutbeauftragter tätig. Ich schule Leute, die verantwortlich mit der Ladungssicherung in Berührung kommen und begleite im Zuge der Ausbildung Verkehrskontrollen der Polizei. Seit 1987 bin ich Mitglied im VDI-Fachausschuss B6 "Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen" und Obmann des Ausschusses Blatt 11 "Ladungssicherung von Betonstahl".
FPX: Welcher Art sind Ihre Erfahrungen bei Polizeikontrollen?
Dänekas: Leider nicht besonders
erfreuliche. Bei den Verkehrskontrollen müssen wir immer wieder feststellen, dass die
Transportfahrzeuge, gleich ob Lkw, Kleintransporter oder Pkw, mit ungesicherter Ladung unterwegs sind.
FPX: Ist das symptomatisch oder sind das eher besonders krasse Ausnahmen?
Dänekas: Das ist leider die alltägliche
Situation. Lediglich bei Gefahrguttransporten ist die Ladung besser gesichert. Da gibt es zwar auch Beanstandungen, aber lange nicht in diesem hohen Maße.
FPX: Worauf führen Sie das zurück?
Dänekas: Zum einen liegt das sicher daran, dass die Gefahrgut-Fahrer sich einfach bewusster sind, dass eine ungesicherte Ladung auch für den Fahrer das Risiko erhöht, zum anderen liegt es aber sicher auch daran, dass im Gefahrgutrecht die Pflichten des Verladers, des Transporteurs und des Fahrers wesentlich klarer umrissen sind und Verstöße auch mit erheblichen Bußgeldern geahndet werden können. Die Verlader im Bereich Gefahrgut sind zudem gut organisiert und erstellen über den Verband der Chemischen Industrie
Handbücher über mögliche Ladungssicherungsmaßnahmen bei den unterschiedlichsten Gefahrgütern.
FPX: Ist es nicht schlimm, dass viele
Menschen offenbar nicht über Vernunftgründe, sondern nur durch Strafandrohung dazu gebracht werden können, die notwendigen Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen?
Dänekas: Natürlich ist dies ein
unbefriedigender Zustand. Aber so sind nun mal die Menschen. Auch die Pflicht zum Anlegen des Sicherheitsgurtes wurde von vielen
Mitmenschen erst akzeptiert, als das Nichtanlegen des Gurtes mit einem
Verwarnungsgeld geahndet wurde. Es kann einen schon nachdenklich machen, wenn
Menschen nur dazu bereit sind, die eigene Gesundheit und das Lebens zu schützen, wenn sie andernfalls 20 € Verwarnungsgeld zahlen müssen. Normalerweise müsste der Wunsch, sich zu schützen, das Motiv für das Anlegen des Gurtes sein. So ist es auch bei der Ladungssicherung. Jeder Fahrer sollte eigentlich aus schierem Eigennutz alles tun, damit die Ladung sicher verstaut ist. Er ist schließlich durch eine unzureichend gesicherte Ladung in hohem Maße selbst gefährdet.
FPX: Auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar wurde gefordert, dass die Fahrschulen bei der Ausbildung angehender Lkw-Fahrer dem Thema Ladungssicherung viel breiteren Raum geben müssten als dies bislang der Fall ist. Was meinen Sie dazu?
Dänekas: Ich halte die Fahrschulen für überfordert, wenn sie dieses Thema umfassend unterrichten sollten. Heute dauert ein Vorbereitungskurs für den
Ausbildungsnachweis Ladungssicherung zwei volle Tage. Sollte der Gesetzgeber wollen, dass das Thema Ladungssicherung schon in der Fahrausbildung so intensiv geschult wird, müsste er auch bereit sein zu sagen, dass dadurch die Ausbildung deutlich teurer werden würde.
FPX: Sie sind also der Meinung, dass der heutige Umfang der Ausbildung ausreicht?
Dänekas: Nein, auf gar keinen Fall. Die zukünftigen Lkw-Fahrer müssen schon in der Führerscheinausbildung für das Thema Ladungssicherung sensibilisiert werden. Das kann aber nicht bedeuten, dass bereits die Fahrschule dieses Thema umfassend unterrichten muss. Man kann das eher mit der Ausbildung zum Gefahrgutfahrer vergleichen, die auch nicht in die
Fahrschulausbildung integriert ist.
FPX: Es gibt ja Fahrlehrer, die sich auf die Ausbildung von Gefahrgutfahrern
spezialisiert haben, obwohl sie selbst keine eigene Erfahrung mit Gefahrguttransporten hatten. Durch eine intensive Schulung von vier mal vier Tagen haben sie sich das notwendige Fachwissen angeeignet. Halten Sie das auch für den Bereich der Ladungssicherung für möglich?
Dänekas: Beim VDI sind wir zur Zeit dabei, die Vorgaben zu entwickeln, die an einen Ausbilder für Ladungssicherung gestellt werden müssen. Ich gehe davon aus, dass der Ausbilder zumindest über eine mehrjährige Berufserfahrung im Bereich der Beförderung und der Ladungssicherung verfügen muss.
FPX: Eine mehrjährige Berufserfahrung in welchen Berufen?
Dänekas: Endgültige Regelungen stehen noch nicht fest. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ein Ausbilder neben anderen Kriterien über eine Berufserfahrung z.B. als Lademeister in einer Spedition oder als Sachverständiger bei TÜV oder DEKRA oder als freier Sachverständiger auf dem Gebiet der Ladungssicherung verfügen muss.
FPX: Eine mehrjährige Berufserfahrung als Fahrlehrer kommt bei Ihren Überlegungen nicht vor?
Dänekas: Bei allem Respekt vor den vielen guten und engagierten Fahrlehrern, die ich kenne, nein. Wie und bei welchen
Gelegenheiten soll denn ein Fahrlehrer Erfahrung mit Ladungssicherung sammeln? Bei den Fahrstunden werden heute doch meistens unbeladene Fahrzeuge eingesetzt.
FPX: Das ist sicher zutreffend. Die
Mitglieder des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. setzen sich schon seit vielen Jahren dafür ein, dass bei der Ausbildung beladene Fahrzeuge vorgeschrieben werden, und sie tun dies auch schon von sich aus. Ein diesbezüglicher Antrag an den Gesetzgeber aus dem Jahr 1993 wird in absehbarer Zeit in die Vorschriften über die Prüfung einfließen. Dabei kommt uns die Neufassung des Anhangs II zur Europäischen Führerscheinrichtlinie zugute, in der zumindest eine Teilbeladung der
Ausbildungs- und Prüfungsfahrzeuge gefordert wird.
Dänekas: Selbst wenn diese Vorgaben in absehbarer Zeit kommen, wird ein
Fahrlehrer in aller Regel keine Erfahrung mit der Sicherung ganz unterschiedlicher Ladung machen können. Ich halte aber genau diese Erfahrung bei einem Ausbilder für unverzichtbar.
FPX: Bedeutet dies, dass die Fahrschulen beim Thema Ladungssicherung außen bleiben sollen?
Dänekas: Natürlich nicht. Aufgabe der Fahrschulen muss es sein, die zukünftigen Kraftfahrer für das Thema zu sensibilisieren und Grundlagenwissen zu vermitteln. Außerdem muss bei den Fahrschülern das Bewusstsein entstehen, dass sie sich schon aus eigenem Interesse im Betrieb um eine intensive Schulung bemühen müssen.
FPX: Wir fragen jetzt einmal ganz direkt; halten Sie es für unmöglich, dass sich ein Fahrlehrer durch eine entsprechend intensive Schulung für dieses Thema qualifiziert?
Dänekas: Das halte ich durchaus für möglich, Voraussetzung ist aber, dass die
Rahmenbedingungen der Schulung stimmen. Eine Schnellbleiche von zwei Tagen reicht mit Sicherheit dafür nicht aus. Der Ausbilder muss ja deutlich mehr wissen als der Auszubildende. Ich glaube auch nicht, dass es einem Fahrlehrer, der selbst in diese Thematik einsteigen will, etwas nützt, wenn er an einem zweitägigen Kurs
Ladungssicherung teilnimmt. Wenn ein Fahrlehrer sich zum Ausbilder qualifizieren will, muss die Ausbildung wesentlich intensiver sein.
FPX: Macht es dann Sinn, dass die FSG/TTVA mbH für Fahrlehrer eintägige Seminare zum Thema Ladungssicherung anbietet?
Dänekas: Das halte ich für sehr sinnvoll. Hier wird ja gerade nicht versucht, den Eindruck zu erwecken, dass der Fahrlehrer nach diesem Seminar umfassende
Sachkunde zum Thema Ladungssicherung besitzt. In diesen Seminaren sollen die Fahrlehrer für das Thema
Ladungssicherung sensibilisiert werden und ihnen aufgezeigt werden, welchen Umfang die
Ausbildung hat. Nach einem solchen Seminar kann ein Fahrlehrer sicher wesentlich besser abschätzen, ob er sich diesem Thema intensiver widmen kann und will.
FPX: Sie sprachen vorhin von dem
Ausbildungsnachweis Ladungssicherung. Ist der denn heute gesetzlich vorgeschrieben?
Dänekas: Das ist nicht der Fall. Aber die Firmen, die nach ISO 9000 zertifiziert sind, und das sind heute alle, die für Großunternehmen Transporte durchführen, werden nicht darum herumkommen, ihre Fahrer auf dem Gebiet Ladungssicherung intensiv zu schulen. Ich gehe davon aus, dass in
absehbarer Zeit der Ausbildungsnachweis Ladungssicherung eine sehr hohe
Bedeutung erlangen wird. Ein Ausbildungsnachweis ist für den Arbeitgeber m. E. qualitativ nur mit einer abschließenden
Erfolgskontrolle interessant.
FPX: Könnte man das mit der ADR-Bescheinigung vergleichen, die jeder Fahrer von Gefahrgutfahrzeugen haben muss?
Dänekas: Ja. Ich rechne aber nicht damit, dass es zu einer gesetzlichen Maßgabe kommt. Vielmehr werden hier die Qualitätskontrollen, denen sich die Unternehmen unterwerfen müssen, die Ausbildung forcieren. Auch die Berufsgenossenschaften haben ein starkes Interesse an geschulten Fahrern, ebenso wie die
Transportversicherungen, die erhebliche Summen zur Schadenregulierung aufwenden müssen.
FPX: Aber jetzt noch einmal zurück zu den Fahrlehrern. Welche Bedeutung messen Sie diesen in puncto Ladungssicherung zu?
Dänekas: Ich bin überzeugt, dass in der Führerscheinausbildung das
Grundlagenwissen über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Ladung vermittelt werden kann und muss. Die Fahrschule muss, ich sagte dies bereits, ihre Kunden für diese Thematik sensibilisieren. Darüber hinaus werden engagierte Fahrschulen, die sich auf die Ausbildung von Lkw- und Lastzugfahrern spezialisiert haben, erforderlichenfalls
zusammen mit externen Fachleuten, auch Lehrgänge anbieten, die auf die Prüfung für den Ausbildungsnachweis vorbereiten.
Aber, ich möchte das noch einmal deutlich sagen: Wer diese Lehrgänge anbietet, muss sich darüber im Klaren sein, dass er auch haftbar gemacht wird, falls er bei der
Ausbildung falsch informiert hat und dadurch Schäden an der Ladung oder an fremden Sachen oder gar Personen entstehen. Ich bestehe schon heute darauf, dass ein
Ausbilder eine entsprechende Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat.
FPX: Welche Zielgruppe sollen mit den von der FSG/TTVA mbH angebotenen eintägigen Lehrgänge angesprochen werden?
Dänekas: In diesen Seminaren wollen wir das Grundlagenwissen vermitteln, das jeder Fahrlehrer nach meiner festen Überzeugung haben muss. Ich sage bewusst jeder Fahrlehrer, und nicht nur die, die in den Klassen C und CE ausbilden. Heute haben wir ganz erhebliche Probleme mit den
Kleintransportern, die mit 140 oder 160 km/h über die Autobahn jagen und in deren
Gepäckraum Ladung teilweise völlig ungesichert transportiert wird. Auch jeder
Fahrlehrer der Klasse BE muss sich deshalb um diese Thematik intensiv kümmern.
FPX: Das Thema Ladungssicherung ist also nur für die Fahrer von Bedeutung, zu deren Beruf die Beförderung von Ladung gehört?
Dänekas: Nein. Sie müssen nur einmal für zwei Stunden auf dem Parkplatz eines Heimwerkermarktes beobachten, was da alles in den Kofferräumen, den
Ladeabteilen oder auf den Dachgepäckträgern von Pkw oder Kombis verstaut und wie unzureichend diese Ladung meistens gesichert wird.

Das geht los bei den vier Meter langen Dachlatten, die in einem Kleinwagen verstaut werden, weiter mit 3 bis 4 Säcken Zement oder Gips die ungesichert im
Kofferraum liegen, und es endet noch lange nicht bei der Propangasflasche, die für den Grill benötigt und einfach im Kofferraum abgestellt wird. Die meisten Fahrer denken, die ist ja so schwer, die fällt nicht um. Mir wird jedenfalls angst und bange, wenn ich dies beobachte. Und genau hier kann und muss nach meiner Meinung die Fahrschule ansetzen. Der Fahrlehrer muss im Unterricht die zukünftigen Kraftfahrer darauf hinweisen, dass ein auf der Ablage hinter dem Rücksitz lose liegender Verbandkasten schon dann ein tödliches Geschoss werden kann, wenn der Fahrer scharf bremsen muss, und natürlich noch viel mehr bei einem Unfall. Man muss ja nur an die Formel für die
Aufprallwucht erinnern: Masse geteilt durch 2 mal Geschwindigkeit (in Meter pro Sekunde) im Quadrat.
FPX: Viele Fahrlehrer stehen schon heute vor dem Problem, dass sie immer mehr Themen in der gleichen Zeit unterrichten sollen. Und jetzt soll nach Ihrer Meinung auch noch das Thema Ladungssicherung dazukommen. Wie soll das der Fahrlehrer denn leisten?
Dänekas: Wenn ich mir die geltende
Fassung der Fahrschüler-Ausbildungsordnung anschaue, stelle ich fest, dass das Thema Ladung doch schon zu den Themen des Unterrichts gehört. Hier kommt also kein neues Thema auf die Fahrschule zu. Sie soll das bereits vorgeschriebene Thema nur unter dem Gesichtspunkt der
Ladungssicherung ergänzen. In der Fahrschüler-Ausbildungsordnung wird ja schon heute nicht mehr verlangt, dass alle Themen bis ins letzte Detail unterrichtet werden müssen. Vielmehr ist exemplarisches Lernen angesagt. Da bin ich überzeugt, dass dieses Thema im Unterricht ohne weiteres integriert werden kann. Dazu werde ich in den geplanten Seminaren dann auch praxisnahe Beispiele geben.
FPX: Herr Dänekas, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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Seminarangebot "Ladungssicherung"
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