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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.09.03

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Januar/2003, Seite 20

Prüfungs-Engpässe

Wer plant falsch?
Der TÜV oder die Fahrschulen?

 

Erklärter Wille der TP-Leitung sei es, die von den Fahrschulen angeforderten Prüfungsplätze möglichst auf den gewünschten Tag genau zur Verfügung zu stellen. Doch waru01m kommt es immer wieder zu ärgerlichen Engpässen? Woran liegt das? An der Planung des TÜV? Oder an den Fahrschulen? Mit Josef Madeia, bei der TP-Leitung des TÜV für die FE-Prüfungen verantwortlich, haben wir über das konfliktträchtige Thema gesprochen.

FPX: Herr Madeia, welche Aufgaben haben die Disponenten in den Terminbüros des TÜV?

Madeia: Diese Mitarbeiter/innen sind sozusagen der Puffer zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Sie nehmen die Terminwünsche der Fahrschulen entgegen und versuchen diese mit den zur Verfügung stehenden Sachverständigen und Prüfern zu erfüllen, das heißt, sie machen in Absprache mit dem Niederlassungsleiter die Dienstpläne für die Sachverständigen und Prüfer. 

FPX: Das hört sich recht einfach an. Die Fahrschulen bestellen die Prüfungsplätze, und die Disponenten teilen die Sachverständigen ein. Da dürfte es doch eigentlich gar keine Probleme geben.

Madeia: Sie haben recht, eigentlich müsste das problemlos laufen. Das würde aber einerseits voraussetzen, dass bei einer Niederlassung immer so viele Sachverständige zur Verfügung stünden, wie es den aktuellen Wünschen der Fahrschulen entspricht und es andererseits nur termingerechte Anmeldungen und exakte Planungen der Fahrschulen gäbe. 

FPX: Bleiben wir zunächst beim ersten Punkt. Sie sagten, sie bräuchten eine ausreichende Zahl an Sachverständigen und Prüfern. Ist das denn nicht der Fall?

Madeia: Im Prinzip stehen genügend Mitarbeiter zur Verfügung, um auch in schwierigen Zeiten die Terminversorgung sicherzustellen. In der Praxis sieht das leider aber oft ganz anders aus.

FPX: Woran liegt das? Sind da zu viele Mitarbeiter auf einmal krank, im Urlaub oder auf Lehrgängen?

Madeia: Das ist fast nie die Ursache, wenn es zu Terminproblemen kommt; zumindest nicht bei den längerfristigen Terminproblemen. Natürlich wird es immer dann schwierig, wenn eine Grippeepidemie auf einen Schlag und über Nacht vier oder fünf Mitarbeiter außer Gefecht setzt. Solch ein Ausfall lässt sich in keinem Betrieb vollständig kompensieren. Aber selbst in diesen Fällen können wir meistens die Notlage überbrücken, indem wir alle Mitarbeiter mit F-Befugnis vorrangig zur Abnahme der Fahrerlaubnisprüfungen einsetzen.

FPX: Aber wieso kommt es denn dann überhaupt zu Engpässen?

Madeia: Sehr oft liegt die Ursache von Engpässen daran, dass viele Fahrschulen auf einen bestimmten Tag fixiert sind. So haben wir beispielsweise am Montag meistens Überkapazitäten. Da könnten wir ohne weiteres noch einige Fahrschulen bedienen. Leider besteht an Montagsterminen nur sehr geringes Interesse.

FPX: Das kann man ja auch nachvollziehen. Viele Fahrschüler wollen eben unbedingt am Tag vor ihrer Prüfung noch einmal fahren. Und wenn die Prüfung am Montag stattfindet, ist dies nicht möglich. Deshalb gelingt es vielen Fahrschulen nicht, ihre Kunden für eine Prüfung am Montag zu begeistern.

Madeia: Glauben Sie nicht, dass das oft auch nur vorgeschobene Gründe sind? Wir haben doch eine Reihe von Fahrschulen, die ihre Schüler montags vorstellen. Und die Ergebnisse an diesen Tagen sind nicht schlechter als an den anderen. Ich glaube, das sind oft nur Vorurteile und Gewohnheiten.

FPX: Das mag ja sein, aber werden denn die Montagstermine den Fahrschulen entsprechend angeboten?

Madeia: Natürlich haben wir das immer wieder getan und tun das auch in Zukunft.

FPX: Die Montage allein können aber doch nicht der Grund für die Probleme sein.

Madeia: Da haben Sie Recht. Ein anderes Problem sind Fahrschulen, die Termine anmelden, sie aber dann nicht voll bekommen und Prüfungsplätze erst kurzfristig zurückgeben. 

FPX: Was heißt kurzfristig zurückgeben? Der Verbandsvorstand hat doch mit der TP-Leitung klare Absprachen getroffen. Danach kann jede Fahrschule bis zu einer Woche vor dem Prüfungstag mehrere Plätze und sogar ganze Termine, bis zu drei Arbeitstagen vor dem Termin einen einzelnen Prüfungsplatz zurückgeben. Halten sich die Fahrschulen nicht an diese Regelung?

Madeia: Leider kommt das immer wieder vor. Oft werden 10 und mehr Punkte erst vier Tage vor dem Termin zurückgegeben oder einzelne Plätze erst am Tag vor dem Termin. Dann gelingt es meistens nicht mehr, diese Plätze mit Prüflingen anderer Fahrschulen zu belegen. Außerdem wollen wir den Fahrschulen ja schon spätestens zwei Wochen vor dem gewünschten Termin die Bestätigung geben. 

Wenn aber jede Woche 30 bis 40 Prüfungsplätze zurückgegeben werden, erschwert dies eine vernünftige Planung in hohem Maße.

FPX: Aber die Fahrschulen, die ihre Punktekontingente nicht ausschöpfen bzw. verspätet absagen, müssen doch die Punkte bezahlen.

Madeia: Das stimmt. Aber was nützt es uns, wenn die Fahrschulen aufzahlen, die Arbeitszeit des Prüfers aber vertan ist und dann einfach fehlt? Besser wäre es, wenn die Prüfer jeweils ihre vollen Termine fahren könnten.

FPX: Wie viele Prüftermine bedient eine Niederlassung wie z.B. Tübingen pro Tag? Oder anders gefragt, wie viele Sachverständige sind dort pro Arbeitstag eingesetzt?

Madeia: Normalerweise sind das pro Tag 10 Sachverständige oder Prüfer. In Punkten: 330 pro Tag. Sie können sich leicht ausrechnen, dass, wenn da pro Tag jeweils nur ein Prüfungsplatz nicht genutzt wird, die Arbeitskraft eines Mitarbeiters komplett ausfällt. Pro Woche fehlen also allein dadurch, dass Prüfungsplätze im zugestandenen Rahmen wegfallen, 6 volle Prüftermine.
Diese Ausfälle kumulieren sich im Laufe des Jahres. Dazu kommen dann noch die Ausfälle, die durch nicht ordnungsgemäße Handhabung bei verschiedenen Fahrschulen entstehen.

FPX: Wie sieht es mit den Anmeldungen der Prüfungen durch die Fahrschulen insgesamt aus?

Madeia: Erfreulicherweise hält sich die große Mehrzahl der Fahrschulen an die Absprachen und gibt ihre zu viel bestellten Plätze rechtzeitig zurück. Der Anteil der wirklich Nachlässigen liegt vielleicht bei 5 bis maximal 10 Prozent.

FPX: Was verstehen Sie unter "wirklich Nachlässigen"?

Madeia: Das sind Fahrschulen, die zwei Tage vor dem Termin mitteilen, dass vier Bewerber nicht zur praktischen Prüfung kommen werden, also 12 Punkte einfach zurückgeben. Oder Fahrschulen, die eine halbe Stunde vor einem theoretischen Sammeltermin erst die namentliche Liste der Prüflinge abgeben. Oder auch Fahrschulen, die regelmäßig 30 Punkte bestellen und ebenso regelmäßig 10 Punkte wieder zurückgeben.

FPX: Wenn das aber nur maximal 10 Prozent sind, dann wären das in einer Niederlassung ja gerade mal etwa 10 bis 12 Fahrschulen. Da muss es doch möglich sein, dass die Disponenten oder der FE-Verantwortliche oder, wenn es gar nicht anders geht, der Niederlassungsleiter mit diesen Fahrschulinhabern in einem vernünftigen Gespräch das Problem deutlich machen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Die könnten doch beispielsweise darin bestehen, dass dem Fahrschulinhaber an Hand der bei der Niederlassung geführten Statistik nachgewiesen wird, wie viel Plätze er tatsächlich benötigt, und man darauf fußend eine für ihn angemessene Planung macht.

Madeia: Wir versuchen das ja auch schon. Leider bei manchen ohne Erfolg.

FPX: Das können wir uns nicht so recht vorstellen, dass ein Fahrschulinhaber nicht in der Lage sein soll, eine vernünftige Planung zu erstellen, wenn ihm die Fakten einmal klargelegt worden sind.

Madeia: Das ist aber leider so. Natürlich, und das möchte ich noch einmal betonen, nur bei einigen Wenigen.

FPX: Wenn es gar nicht anders geht, müssen die Verantwortlichen in den Niederlassungen mit diesen Leuten ein klares Wort sprechen, ihnen Konsequenzen aufzeigen, was im Zweifel nichts anderes heißen kann, als dass sie nur noch so viele Prüfungsplätze bekommen, wie sie tatsächlich benötigen. Dann wird sich das sehr schnell klären. Wir sind ganz sicher, dass Ihnen die anderen Fahrschulen, die unter den Schlampereien leiden, dankbar wären und sie voll und ganz unterstützten. 

Madeia: Aber wir können doch nicht solch drastische Mittel anwenden und diesen Fahrschulen keine Prüfungsplätze mehr geben. Das sind schließlich auch unsere Kunden.

FPX: Das mag aus Ihrer Sicht so sein. Dann darf der TÜV aber nicht klagen und vor allem nicht die ordentlich meldenden Fahrschulen belasten. 

Lassen Sie uns noch einen anderen Gesichtspunkt ansprechen, der vielleicht auch die Schwierigkeiten mit der Planung verdeutlicht. In der Vergangenheit war es doch in weiten Teilen des Landes üblich, dass Fahrschulen nur ganze oder halbe Termine bestellen und auch zurückgeben konnten, das heißt 33 Punkte oder 15 Punkte oder gar nichts. Kann es nicht sein, dass in den Köpfen vieler Fahrlehrer dieses Denken noch immer fest verankert ist? Hat der TÜV in der Vergangenheit wirklich alles getan, um den Fahrschulen bewusst zu machen, dass sie einzelne Plätze bestellen und auch zurückgeben können? Und dass sie das nicht nur in Ausnahmefällen tun dürfen, sondern auch das ganze Jahr über?

Madeia: Ich will nicht ausschließen, dass es auf diesem Gebiet noch einen gewissen Nachholbedarf an Information von unserer Seite gibt. Aber da sind wir ja gerade jetzt auch mit diesem Interview dabei, dieses Defizit zu verringern. Wir würden uns freuen, wenn alle Fahrschulen nur so viel Punkte bestellten wie sie tatsächlich benötigen. Natürlich sollen die Fahrschulen, die auf lange Sicht Prüfungsplätze belegen können, ihre Anmeldungen auch frühzeitig vornehmen können. Das gilt ausdrücklich nicht nur für die, die volle oder halbe Termine bestellen wollen. Auch Fahrschulen, die sagen, wir brauchen jeden Mittwoch 9 Punkte für 3 Bewerber Klasse B, sollen die Möglichkeit der frühen Bestellung nutzen können. Und auch die Fahrschulen, die langfristig sagen, wir brauchen alle 14 Tage 12 Punkte. Ich habe volles Verständnis dafür, dass die Fahrschulen Wert darauf legen, dass sie möglichst immer am gleichen Tag ihre Prüfungen haben, weil sie so in der Lage sind, langfristig zu planen. Für uns bietet das auch den Vorteil einer viel verlässlicheren Planung. Aber wir wollen natürlich auch all die Fahrschulen bedienen können, die nicht über Monate im Voraus ihre Termine bestellen, sondern erst wenige Wochen vor dem gewünschten Termin. Wenn es gelingt, eine bunte Mischung von beidem in der Planung zu haben, wird es langfristig möglich sein, allen Fahrschulen, aber auch dem TÜV, die erforderliche Planungssicherheit zu geben.

FPX: Wie viele Wochen im Voraus müsste denn eine Fahrschule die gewünschten Prüfungsplätze bestellen, damit eine sichere Planung möglich ist?

Madeia: Wenn jede Fahrschule spätestens vier Wochen im Voraus ihre Punkte bestellt, können wir auch spätestens zwei Wochen vorher die Termine verbindlich bestätigen. Das schließt natürlich nicht aus, dass in Ausnahmefällen auch kurzfristigere Terminbestellungen möglich wären. Die könnten wir dann mit den zurückgegebenen Prüfungsplätzen bedienen.

FPX: Gelten diese Ausführungen für Ihr gesamtes Betreuungsgebiet, also für ganz Baden-Württemberg? 

Madeia: Selbstverständlich.

FPX: Herr Madeia, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe Januar 2003

Erscheinungsdatum 15.01.2003

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