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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.09.03

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe April/2003, Seite 180

Für Lkw-Fahrlehrer

Fortbildung mit neuem Programm

 

Kundenzufriedenheit hat höchste Priorität. Darin sind sich die DaimlerChrysler AG und der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. als Initiatoren der seit mehr als 25 Jahre laufenden Wörther Fortbildungsseminare für Lkw-Fahrlehrer einig. Immer wieder loben die Teilnehmer die inhaltliche Reichhaltigkeit, die ausgezeichnete Arbeit der Dozenten und Instruktoren und die aufmerksame Betreuung. Der Erkenntnis folgend, dass ein guter Ruf leichter zu erringen als zu erhalten ist, haben die für die Fahrlehrerseminare Verantwortlichen, Kurt Metz von DaimlerChrysler und Peter Tschöpe vom Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e. V., für 2003 eine neues, aktualisiertes Programm aufgelegt.

Dazu wurden u. a. die Instruktoren des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., die bei den Seminaren für die praktischen Übungen eingesetzt werden, an zwei Tagen von Kurt Metz, Herbert Gräßle und Joachim Haas mit der Technik der neuen Actros-Generation MP2 vertraut gemacht. Die Instruktoren sind so in der Lage, bei den didaktischen Übungen und beim Fahren im Realverkehr Fragen der Teilnehmer sachkundig und erschöpfend zu beantworten.

Neue Fahraufgaben

Nach einer kurzen theoretischen Einführung hatten die Instruktoren Gelegenheit, sich auf der Strecke mit den neuen Fahrzeugen vertraut zu machen. Kurt Metz informierte sodann über neue technische Details. Im Mittelpunkt des zweiten Tages standen die neuen Fahraufgaben für die didaktischen Übungen. Da die Umsetzung der Neufassung des Annex II zur Zweiten EU-Führerschein-Richtlinie u.a. auch einschneidende Änderungen der Grundfahraufgaben der Klassen C und CE mit sich bringen wird, lag es nahe, in dieser Runde die aktuelle Fassung der neuen Vorgaben im Detail zu besprechen und Änderungsvorschläge zu erarbeiten. Insbesondere die neuen Grundfahraufgaben, bei denen das Fahrzeug bzw. die Fahrzeugkombination an eine Rampe gefahren werden muss, sowie die neuen Anforderungen beim Verbinden und Trennen, aber auch die Aufgaben der Abfahrtkontrolle, wurden kritisch auf Eignung und Nutzen überprüft. Zufrieden nahmen die Instruktoren (wie später auch die Seminarteilnehmer) zur Kenntnis, dass in Zukunft der Sicherungsposten nicht nur vor überraschend auftretenden Hindernissen warnen, sondern - praxisgerecht - auch den Abstand zur Rampe bzw. zum Anhänger anzeigen darf. In dieser Runde wurde deutlich, dass es in manchen Prüforten Probleme geben wird, die "Rampenaufgaben" zu üben und zu prüfen. Auch beim Verbinden und Trennen wird in Zukunft mehr Platz benötigt werden, wenn die Fahrzeuge nicht mehr in einer Linie stehen dürfen. Kurt Metz und Peter Tschöpe stellten auch eine Reihe organisatorischer Veränderungen, gerade auch zum Ablauf der praktischen Übungen, zur Diskussion.


Instruktoren auf der Schulbank: Wer lehren
will, muss selbst gut informiert sein.

Spannung

Spannung! Wie werden die Teilnehmer des ersten Seminars die Änderungen aufnehmen? Montag, 17.03.2003. Kurt Metz begrüßt die 24 Teilnehmer des ersten Seminars nach neuem Kanon und stellt Inhalte sowie Ablauf des Seminars vor. Schon immer galt der erste Tag der modernen Nutzfahrzeugtechnik. Metz informiert über die Telligent-Bremsanlage in ACTROS, AXOR und ATEGO. Dabei fasziniert er die Teilnehmer durch seine Fähigkeit, komplexe technische Zusammenhänge anschaulich und verständlich vorzutragen. Ob Neuerungen der Grundbremsanlage oder verschleißfreie Bremssysteme, Komfort- und Sicherheitssysteme, Traktion oder Telligent-Schaltsysteme, sein Fachwissen, gepaart mit der praktischen Erfahrung aus vielen Lehrgängen und eigener Fahrpraxis, gewürzt mit einem guten Schuss Pfälzer Humor, lassen die Zeit vergessen, die Fahrlehrer sind bis zur Mittagspause hochkonzentriert bei der Sache.

Ein voller Bauch ...

Ein voller Bauch studiert nicht gerne? Hätte die Mittagsmüdigkeit manchen Teilnehmer überwältigt, wäre dies angesichts des vorzüglichen Mittagessens, das - wie auch schon das zweite Frühstück - jedem gutbürgerlichen Lokal Ehre gemacht hätte, verständlich gewesen. Doch Kurt Metz wiederlegt den alten Spruch, als er am Nachmittag multimedial die Mercedes-Benz-Fahrphilosophie, eine besonders verkehrssichere, umweltschonende und wirtschaftliche Fahrweise, gekonnt vorstellt. Die CD-ROM bekommen die Fahrlehrer mit nach Hause. Sicher wird die eine oder andere Sequenz den theoretischen Unterricht beleben.

Interaktion

Zum Abschluss des Tages konnte jeder Fahrlehrer aus einer Liste von sieben Übungen vier auswählen, die er am nächsten Tag unter Anleitung eines Instruktors selbst praktisch erproben wollte.

  • Abfahrtkontrolle,
  • Auf- und Abbrücken,
  • Lkw rückwärts versetzt an eine Rampe fahren,
  • Lastzug rückwärts an eine Rampe fahren,
  • Sattelzug rückwärts versetzt an eine Rampe fahren,
  • Lkw mit Starrdeichselanhänger rückwärts versetzt an eine Rampe fahren,
  • Vollbremsung mit einem beladenen Lkw.


Kurt Metz in Aktion

Werksführung inklusive

Nach dem offiziellen Programm gab es Gelegenheit, sich bei einer Werksführung über die Produktion moderner Lkws zu informieren. Später diskutierten die Kollegen noch lange die Eindrücke des ersten Tages.

Am zweiten Tag begrüßte Peter Tschöpe die Teilnehmer. Er bedankte sich für das Interesse an diesem Fortbildungsangebot und wies darauf hin, dass in unserer schnelllebigen Zeit mit ihren rasch folgenden Veränderungen regelmäßige Fortbildung für Fahrlehrer wichtiger ist denn je. Wer das verneine, bleibe zuerst stehen, falle aber bald danach fachlich und somit auch in der Gunst der Kunden zurück.

Was ist ein Fleetboard?

Kurt Metz klärte die Teilnehmer über das Fleetboard, die Kommunikations- und Informationsplattform in modernen Lkw, auf. Dieses Instrument erlaubt es, die Fahrerleistung objektiv zu bewerten. Eine wichtige Hilfe zu einer leistungsgerechten Bezahlung, aber auch für optimale Disposition der Fahrzeuge.

Später wurde in zwei Gruppen gearbeitet. Während zwölf Teilnehmer die ausgewählten praktischen Übungen erprobten, beschäftigte sich die andere Hälfte im Unterrichtsraum mit dem Thema Ladungssicherung.

Gefahr durch Ladung?

Peter Tschöpe stellte Rolf Dänekas als neuen Referenten vor: Er ist vereidigter Sachverständiger für Ladungssicherheit und gründet seinen Unterricht vor allem auch auf große praktische Erfahrung.


Rolf Dänekas

Dänekas machte in Bildern anschaulich, wie mangelhaft gesicherte Ladung zur Unfallursache wird und stimmte mit kurzen Videos aus Fahrversuchen auf die Bedeutung des Themas für die Verkehrssicherheit ein.


Diesen Beschleunigungskräften muss die
Ladungssicherung standhalten.

Dänekas bestach durch seinen fachlich fundierten Unterricht. Die Spannung ließ sogar die vorgesehene Pause vergessen. Es wurde klar, dass Fahrschüler für dieses wichtige Thema noch mehr sensibilisiert werden müssen. Die Fahrschule wäre aber überfordert, wollte sie Ladungssicherung in allen denkbaren Facetten unterrichten. Die Ausbildung zur Fachkraft für Ladungssicherung dauert heute zwei volle Tage (16 Unterrichtstunden). Sollte das Thema Ladungssicherung im Unterricht der Fahrschule erschöpfend behandelt werden, müsste die Dauer des Theorieunterrichts der Klasse C verdoppelt werden. Mit gutem Anschauungsmaterial demonstrierte Dänekas, dass sich jede Ladungsart anders verhält. Für den Fahrer ist es nicht möglich, die jeweils geeignete, spezielle Sicherung auszuwählen. Diese Information muss vom Verlader an den Transporteur und von diesem an den Fahrer weitergegeben werden. Nur der Verlader hat genaue Kenntnis über die beste Sicherungsmöglichkeit seines Ladegutes. Deshalb steht er auch juristisch voll in der Verantwortung. Leider wird heute noch viel zu oft nach dem Motto verfahren: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Sobald die Plane sich gnädig über die Ladung gesenkt hat, interessieren sich die Verantwortlichen oft erst wieder für Ladungssicherung, wenn das Ladegut beschädigt wurde oder es zum Unfall kam.

Didaktische Übungen zum Thema Auf- und Abbrücken:

  • Drei Schritte des Lernens
Information

Demonstration

Selbst erproben

 

  • Übungen: Fahrlehrer müssen mehr können als Führerscheinbewerber in der Prüfung
Vollbremsung: Mit 16 Tonnen aus 40 km/h auf kürzestem Weg zum Stillstand
Mit dem Starrdeichselanhänger rückwärts an eine Rampe fahren und selbst den Abstand schätzen
Unter Anleitung den Gliederzug rückwärts aus einem Bogen an eine Rampe fahren

 

  • Ladungssicherung in der Praxis:

Auch eine feste Niederzurrung schützt die Ladung bei einer Vollbremsung nicht vor dem Verrutschen:

 

So stand die Ladung vor den Bremsungen fest verzurrt auf der Ladefläche

Und so hat sie sich bei 80 Vollbremsungen beweg

Ein Gurt ohne Gleiter hält die Belastung nicht aus. Rolf Dänekas mit dem beschädigten Gurt.

Ausklang

Mit einem genussvollen Abendessen im Restaurant Insel in Wörth, zu dem die FSG/TTVA mbH die Teilnehmer eingeladen hatte, klang der zweite Tag gemütlich aus.

Dritter Tag: Realverkehr

Der dritte Seminartag stand ganz im Zeichen des Realverkehrs ("Pfalzrundfahrt"): Fahren mit voll beladenen Lastzügen der neuen Generation. Dabei konnten die in der Theorie erworbenen Kenntnisse wirtschaftlicher Fahrweise praktisch erprobt werden. Für Teilnehmer, die bereits in früheren Jahren an einem Seminar in Wörth teilgenommen hatten, brachte eine neue Route am Nachmittag viel Neues.

Manöverkritik

Zum Seminarschluss zeigten sich alle Teilnehmer hoch zufrieden. Hier einzelne Stimmen:

  • Koll. Kluge, sen.:

Ich war beeindruckt, wie kurz der Bremsweg des voll beladenen Fahrzeugs war. Jetzt verstehe ich viel besser, wie es zu Auffahrunfällen von Lkws kommen kann, wenn ein alter hinter einem modernen Lkw herfährt.

  • Koll. Kluge, jun.:

Die Technik am Montag war ausgezeichnet. Besonders interessiert haben mich die modernen Schaltanlagen. Aber auch die Informationen zum wirtschaftlichen Fahren haben mir viele Anregungen gegeben, die ich bei der praktischen Ausbildung umsetzen werde.

  • Koll. Hess:

Kenntnisse zur Ladungssicherung sind für Lkw-Fahrer unverzichtbar. Ich habe mich selbst als Instruktor für dieses Thema beim DVR ausbilden lassen. Es ist gut, dass dieses Thema in die Fahrlehrerfortbildung aufgenommen wurde.

  • Koll. Fischer:

Es kostet schon Überwindung, einen voll beladenen Lkw voll abzubremsen. Die Verzögerung der modernen Bremsanlagen ist gewaltig. Da kann man nur hoffen, dass die Ladung richtig gesichert ist.

  • Koll. Habenicht:

Das Seminar ist hervorragend. Die Theorie war sehr gut. Das Fachwissen der eingesetzten Instruktoren, ganz besonders von Herrn Metz, ist beeindruckend.

Ladungssicherung ist ein wichtiges Thema, auch in der Fahrausbildung. Wir können aber unsere Fahrschüler für dieses Thema nur sensibilisieren. Intensiv muss der Fahrer in seinem Betrieb mit dieser Thematik vertraut gemacht werden.

 

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe April 2003

Erscheinungsdatum 15.04.2003

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