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Viele Klasse A-Ausbilder befürchten, durch
die Zulassung von Krafträdern mit ABS und sogar mit Integralbremsen könne
den Ausbildern Tür und Tor geöffnet werden, denen es weniger um eine
intensive Ausbildung der zukünftigen Biker als viel mehr um den schnellen
EURO geht.
Mit weniger Fahrstunden, besonders bei den
Bremsübungen, würden diese Schmalspurausbilder Kunden ködern. Bei genauem
Hinsehen erweist sich die Befürchtung jedoch als unbegründet.
Nach meinen Beobachtungen ist die wohl
gängigste Ausbildungsmaschine mit ABS in der Klasse A(beschränkt) die BMW
F 650 GS/CS. Allen, die sich bei ihren Befürchtungen auf theoretische
Überlegungen stützen, kann ich nur raten, eigene Fahrversuche zu
unternehmen. Gehen Sie, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, einfach zum
nächsten BMW-Händler und vereinbaren Sie eine Probefahrt mit einem solchen
Motorrad. Bei der ersten Gefahrbremsung werden Sie erkennen, dass es gar
nicht einfach ist, in den Regelbereich des ABS zu kommen. Und dies hat
zwei Gründe:
- die psychologische Barriere und
- die notwendige Handkraft, um in den
Regelbereich des ABS zu kommen.
Zu Punkt 1:
Jede Klasse A-Fahrlehrerin und jeder
Fahrlehrer hat seine Ausbildung zum Führerschein auf einem Kraftrad ohne
ABS gemacht. Ihnen ist also bewusst, dass ein blockierendes Vorderrad fast
unweigerlich zum Sturz führt. Folglich ist die Hemmschwelle sehr groß, die
Bremse voll durchzuziehen. Nach meinen Erfahrungen benötigt ein Fahrer
mindestens vier, meistens sogar noch deutlich mehr Versuche.
Zu Punkt 2:
Zum Erreichen des Regelbereichs wird eine
sehr hohe Handkraft benötigt; manche Fahrer schaffen diese erst nach
reichlichem Training.
Wer sich ein Bild über die Handkraft seines
Fahrschülers machen will, benötigt dazu nicht unbedingt ein aufwändiges
Testgerät. Ein kräftiger Händedruck gibt Aufschluss. So lässt sich meist
sehr treffend vorhersagen, ob es dem Kunden gelingen wird, den
Regelbereich des ABS problemlos zu erreichen.
In jedem Fall aber:
Jeder Fahrlehrer muss auch mit ABS seinen
Schüler an die maximale Bremsverzögerung heranführen. Überschreitet der
Fahrer diese Grenze, bietet ABS den unschätzbaren Vorteil, dass der
Fahrer, also unser Schüler, nicht stürzt, was ohne ABS in der Regel der
Fall ist. Nur die allerwenigsten schaffen es, die Bremse wieder
rechtzeitig zu lösen, selbst wenn dies vorher intensiv geübt wurde.
Schafft der Fahrschüler, beim Bremsen in
den Regelbereich des ABS zu kommen, kann ein gut beobachtender Fahrlehrer
dies erkennen und den Schüler darauf hinweisen, dass er bei einem Motorrad
ohne ABS mit größter Wahrscheinlichkeit gestürzt wäre.
Skeptikern kann ich nur empfehlen, sich ein
Motorrad mit ABS anzuschaffen und die Fahrschüler nach dem Curricularen
Leitfaden auszubilden. Viele Schüler werden übrigens gar nicht bemerken,
dass ihr Ausbildungsfahrzeug ABS hat.
Lassen Sie mich noch kurz die
Fachzeitschrift "Motorrad" zitieren, in der zur Kampagne "Besser Bremsen"
zu lesen war:
Unwägbarkeiten des Alltags, wie plötzlich
auftauchende Hindernisse, nasse Fahrbahn oder gar rutschige Bitumenflicken
in der Bremszone lassen sich mit ABS meistern". Dies ist für uns
Fahrlehrer, aber auch für unsere Kunden ein hoher Sicherheitsvorteil bei
der Klasse A-Ausbildung. Fahrschüler, die einmal das ABS bei einer
Überlandfahrt in einer solchen Situation schätzen gelernt haben, werden
eher geneigt sein, sich später auch ein Kraftrad mit ABS anzuschaffen.
Dadurch könnte in Zukunft auch der notwendige Druck auf die
Zweiradindustrie entstehen, alle Krafträder serienmäßig mit ABS
auszustatten. - Für die Sicherheit ein riesiger Gewinn.
Theodor Heinemann
Motorradreferent
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