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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.09.03

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juni/2003, Seite 297

Fahrschülerausbildung

Klasse A-Ausbildung mit ABS

 

Viele Klasse A-Ausbilder befürchten, durch die Zulassung von Krafträdern mit ABS und sogar mit Integralbremsen könne den Ausbildern Tür und Tor geöffnet werden, denen es weniger um eine intensive Ausbildung der zukünftigen Biker als viel mehr um den schnellen EURO geht.

Mit weniger Fahrstunden, besonders bei den Bremsübungen, würden diese Schmalspurausbilder Kunden ködern. Bei genauem Hinsehen erweist sich die Befürchtung jedoch als unbegründet.

Nach meinen Beobachtungen ist die wohl gängigste Ausbildungsmaschine mit ABS in der Klasse A(beschränkt) die BMW F 650 GS/CS. Allen, die sich bei ihren Befürchtungen auf theoretische Überlegungen stützen, kann ich nur raten, eigene Fahrversuche zu unternehmen. Gehen Sie, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, einfach zum nächsten BMW-Händler und vereinbaren Sie eine Probefahrt mit einem solchen Motorrad. Bei der ersten Gefahrbremsung werden Sie erkennen, dass es gar nicht einfach ist, in den Regelbereich des ABS zu kommen. Und dies hat zwei Gründe:

  1. die psychologische Barriere und
  2. die notwendige Handkraft, um in den Regelbereich des ABS zu kommen.

Zu Punkt 1:

Jede Klasse A-Fahrlehrerin und jeder Fahrlehrer hat seine Ausbildung zum Führerschein auf einem Kraftrad ohne ABS gemacht. Ihnen ist also bewusst, dass ein blockierendes Vorderrad fast unweigerlich zum Sturz führt. Folglich ist die Hemmschwelle sehr groß, die Bremse voll durchzuziehen. Nach meinen Erfahrungen benötigt ein Fahrer mindestens vier, meistens sogar noch deutlich mehr Versuche.

Zu Punkt 2:

Zum Erreichen des Regelbereichs wird eine sehr hohe Handkraft benötigt; manche Fahrer schaffen diese erst nach reichlichem Training.

Wer sich ein Bild über die Handkraft seines Fahrschülers machen will, benötigt dazu nicht unbedingt ein aufwändiges Testgerät. Ein kräftiger Händedruck gibt Aufschluss. So lässt sich meist sehr treffend vorhersagen, ob es dem Kunden gelingen wird, den Regelbereich des ABS problemlos zu erreichen.

In jedem Fall aber:

Jeder Fahrlehrer muss auch mit ABS seinen Schüler an die maximale Bremsverzögerung heranführen. Überschreitet der Fahrer diese Grenze, bietet ABS den unschätzbaren Vorteil, dass der Fahrer, also unser Schüler, nicht stürzt, was ohne ABS in der Regel der Fall ist. Nur die allerwenigsten schaffen es, die Bremse wieder rechtzeitig zu lösen, selbst wenn dies vorher intensiv geübt wurde.

Schafft der Fahrschüler, beim Bremsen in den Regelbereich des ABS zu kommen, kann ein gut beobachtender Fahrlehrer dies erkennen und den Schüler darauf hinweisen, dass er bei einem Motorrad ohne ABS mit größter Wahrscheinlichkeit gestürzt wäre.

Skeptikern kann ich nur empfehlen, sich ein Motorrad mit ABS anzuschaffen und die Fahrschüler nach dem Curricularen Leitfaden auszubilden. Viele Schüler werden übrigens gar nicht bemerken, dass ihr Ausbildungsfahrzeug ABS hat.

Lassen Sie mich noch kurz die Fachzeitschrift "Motorrad" zitieren, in der zur Kampagne "Besser Bremsen" zu lesen war:

Unwägbarkeiten des Alltags, wie plötzlich auftauchende Hindernisse, nasse Fahrbahn oder gar rutschige Bitumenflicken in der Bremszone lassen sich mit ABS meistern". Dies ist für uns Fahrlehrer, aber auch für unsere Kunden ein hoher Sicherheitsvorteil bei der Klasse A-Ausbildung. Fahrschüler, die einmal das ABS bei einer Überlandfahrt in einer solchen Situation schätzen gelernt haben, werden eher geneigt sein, sich später auch ein Kraftrad mit ABS anzuschaffen. Dadurch könnte in Zukunft auch der notwendige Druck auf die Zweiradindustrie entstehen, alle Krafträder serienmäßig mit ABS auszustatten. - Für die Sicherheit ein riesiger Gewinn.

Theodor Heinemann
Motorradreferent

 

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe Juni 2003

Erscheinungsdatum 15.06.2003

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