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Das Plenum war beeindruckt, als
Staatssekretär Mappus vom Ministerium für Umwelt und Verkehr
Baden-Württemberg am 10. Mai beim Pforzheimer Verbandstag das Wirken des
Berufsstandes hervorhob: "Die aktive Mitarbeit des Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e.V. und das große Engagement der ca. 4000 Fahrlehrer im
Land bieten die Gewähr dafür, dass den Fahranfängern das erforderliche
‚Rüstzeug' für die spätere eigenverantwortliche Teilnahme am
Straßenverkehr bestmöglich vermittelt wird." Die mehrfach von starkem
Beifall unterbrochene Rede des Politikers enthielt aber auch sehr
nachdenkliche Passagen. Darin kam besonders die Sorge der Landesregierung
um die Fahrerinnen und Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren zum
Ausdruck. Sie seien nach wie vor einem drei- bis viermal höheren Risiko
ausgesetzt, im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken, als ältere
Kraftfahrer.
Der 1986 eingeführte Führerschein auf Probe
reiche noch nicht aus, angesichts der Unfallzahlen seien weitere Maßnahmen
erforderlich. Mappus machte klar, dass Baden-Württemberg gerade auch
deshalb am Modellversuch zur Einführung der sog. Zweiten Phase der
Fahrausbildung teilnehmen wird. Den jungen Führerscheininhabern werde hier
nach erfolgreicher Fortbildung angeboten, ihre Probezeit um ein Jahr zu
verkürzen. Nachdem der Bund die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen
habe, treffe das Land Baden-Württemberg momentan die erforderlichen
Vorbereitungen, um das Modell noch in diesem Jahr einführen zu können.
Mappus unterstrich in diesem Zusammenhang die herausragende Rolle des
Fahrlehrerverbandes und seiner Mitglieder bei der Umsetzung von Neuerungen
in der Verkehrssicherheitsarbeit. Der Verband stehe aufgrund seiner
gesellschaftlichen Stellung schon fast in der Pflicht, Weiterentwicklungen
in der Verkehrssicherheitsarbeit durch eigene Ideen und Initiativen
voranzutreiben.

Staatssekretär Stefan Mappus
Patenschaft der Besonnenheit findet
Unterstützung des Ministeriums
In der zuvor vom Vorsitzenden Tschöpe in
der Begrüßungsansprache angekündigten Aktion Patenschaft der Besonnenheit
sah Mappus diese Erwartung bestätigt. Die Initiative, wonach
Führerscheininhaber in ihrem Umfeld als "Paten" Verantwortung für junge
Fahrer übernehmen und als "Ansprechpartner, Beifahrer, Partner im
Sicherheitstraining und vielleicht sogar in einem gewissen Umfang als
Sponsor zur Verfügung" stünden, stoße auf ein positives Echo. Das
Ministerium sei dabei, wenn im Herbst dieses Jahres eine
öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zur "Patenschaft" steige.
Verbandsverdrossenheit?
Das soll es ja da und dort geben, nicht
aber in Baden-Württemberg. Den Beweis lieferten die mehr als 500
Mitglieder und Gäste, die nach Pforzheim gekommen waren, um den
Verbandstag lebhaft mitzugestalten. Dabei zeigten die Anwesenheitslisten,
dass zwar die Region, in der die Mitgliederversammlung stattfindet,
jeweils am stärksten vertreten ist, zugleich aber auch, dass vielen
Kolleginnen und Kollegen für den Verbandstag kein Weg zu weit ist. Schon
am Vortag war richtig was los. Der Vorstand wollte für einige wichtige
Fragen den Rat einer größeren Gruppe von Kolleginnen und Kollegen einholen
und richtete deshalb drei Arbeitskreise ein, die am Freitagnachmittag
tagten. (hier
finden Sie die Ergebnisse der Arbeitskreise...).
Inhaltsreicher, stilvoller Vormittag
Die traditionell auch für Angehörige und
Gäste offene Versammlung am Vormittag brachte, wie es die Mitglieder
gewohnt sind, qualitätsvolle Redebeiträge.
Neben Bürgermeister Hager, dem
Kreisvorsitzenden Emil Veser, dem stellv. Bundesvorsitzenden, Peter
Glowalla und Robert Wilhelm von Daimler-Chrysler - wir berichteten darüber
in der Maiausgabe dieser Zeitschrift - entboten TP-Leiter Marcellus Kaup
vom TÜV Süddeutschland und Wolfram Klitzsch, Vorstandsvorsitzender der
Fahrlehrerversicherung, der morgendlichen Versammlung informative
Grußadressen, in denen sie die enge Verbundenheit ihrer Unternehmen mit
den Fahrlehrern hervorhoben.
Als Wolfram Klitzsch mit augenfälligen
Charts die 50-jährige Erfolgsstory der Fahrlehrerversicherung auf die
Leinwand projizierte, herrschte gespannte Aufmerksamkeit. Empfindungen der
Freude und des Stolzes auf das erfolgreiche berufseigene
Versicherungsunternehmen und das Bewusstsein, dort gut und sicher
aufgehoben zu sein, mögen viele der Zuhörer bewegt haben.
Viele Ehrungen und ein bewegender
Abschied
Es ist in Baden-Württemberg längst
Tradition, die Kolleginnen und Kollegen coram publico zu würdigen, die
seit 40 und 50 Jahren den Fahrlehrerberuf ausüben oder zu Ehrenmitgliedern
ernannt werden. So auch diesmal (Bilder und Namenslisten siehe Seite 316
ff.). Die anerkennenden Worte, die Vorsitzender Peter Tschöpe für die
Lebensleistung der Geehrten fand, honorierte die Versammlung mit starkem
Applaus. Ein besonderer Höhepunkt des Vormittags war die Verabschiedung
von Günter Luppart aus dem Amt des Zweiten Vorsitzenden. Nach 12 Jahren
Vorstandsarbeit und nach Ablauf der Amtsperiode zog Luppart es vor, auf
eine weitere Kandidatur zu verzichten und für einen Jüngeren Platz zu
machen.
Als Peter Tschöpe sich bei Günter Luppart
für dessen loyale und tatkräftige Mitarbeit bedankte und dabei erwähnte,
er habe erst jetzt die volle Bedeutung seines schon vor zwei Jahren
angekündigten Rückzugs erfasst, war die Emotion über die Trennung von
seinem bewährten, oft kritischen, aber stets solidarischen Vize nicht zu
verkennen. Die Überreichung eines in Leder gebundenen Bandes aller in der
FahrSchulPraxis veröffentlichten Beiträge Lupparts, verbunden mit
herzlichen Wünschen für einen langen und gesunden dritten Lebensabschnitt,
war Impuls für die Versammelten, sich spontan von ihren Stühlen zu erheben
und lang anhaltenden Beifall zu spenden.

Standing Ovations für Günter Luppart

Peter Tschöpe überreicht Günter Luppart die
Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft
In seiner Erwiderung dankte Luppart den
Mitgliedern für das Vertrauen und die ihm in vielen Jahren gehaltene
Treue. Zugleich forderte er die Mitglieder dazu auf, die Arbeit des
Vorstands stets aufmerksam zu begleiten, wenn nötig auch kritisch. Ebenso
wichtig sei aber die gerechte Beurteilung der Leistung und eine
grundsätzlich loyale Haltung zu den Führungskräften des Verbandes.
Auch Altvorsitzender Gebhard L. Heiler
würdigte in einer kurzen Rede die Verdienste Lupparts um den Berufsstand
und den Verband. "Nur wenn sich immer wieder Menschen wie Günter Luppart
zur Mitarbeit bereit finden, wird dieser Verband bleiben, was er in den
letzten Jahrzehnten war: die kompetente, wirksame, visionäre, allseits
geachtete und respektierte Berufsvertretung der Fahrlehrer im Südwesten
Deutschlands", rief Heiler der Versammlung zu. Er nutzte die Gelegenheit,
die jüngeren Mitglieder aufzufordern, sich für die Verbandsarbeit zur
Verfügung zu stellen.
Minutiöses Programm
Es bleibt dabei, das CongressCentrum
Pforzheim, kurz CCP, ist eine erstklassige Adresse. Das zeigte sich nicht
zuletzt in der ausgezeichneten Qualität des Mittagessens, zu dem der TÜV
Süddeutschland die Versammlung auch in diesem Jahr wieder eingeladen
hatte.
Und dem Chronisten sei noch eine Bemerkung
erlaubt: Was auf Neudeutsch präzises Timing heißt, also die Einhaltung des
Zeitplanes, war in Pforzheim den ganzen Tag über vorbildlich.
Hervorragende Vorbereitung und exakte Organisation sorgten in allen Phasen
dieses Verbandstages für einen reibungslosen Ablauf.
Der Nachmittag
Das Gedenken der im abgelaufenen Jahr
verstorbenen Mitglieder und die Ehrung der Mitglieder für 25- und
30-jährige Fahrlehrertätigkeit standen am Beginn der internen Versammlung
des Nachmittags. Im darauf folgenden Geschäftsbericht des Vorsitzenden
nahmen die Betrachtungen zur wirtschaftlichen Lage der Fahrschulen
bedeutenden Raum ein.
Mahnung zu wirtschaftlicher Vernunft
Tschöpe wies vor allem auch auf den im
letzten Jahr bedauerlichen Anstieg der Anzahl der Zweigstellen hin und
machte deutlich, dass damit kein Geld zu verdienen, aber einiges kaputt zu
machen sei. Er mahnte den Willen zu Kooperation an, um die Kosten senken
zu können. Der Verband, so hob er hervor, habe in der Vergangenheit durch
solide fachliche Beratung vielen Kolleginnen und Kollegen den Weg zu
dauerhaften Zusammenschlüssen und funktionierenden
Fahrschul-Gesellschaften gezeigt. Auch in Zukunft stehe der Verband dafür
uneingeschränkt zur Verfügung. Mit einem Lob für die Treue der Mitglieder
und besonderer Anerkennung der Leistung der Mitarbeiterinnen der
Geschäftsstelle, denen er großen Fleiß, hohen Einsatz, Servicebewusstsein
und intelligentes Mitdenken bescheinigte, schloss Peter Tschöpe seinen
Bericht.
Rechnungsprüfer geben ihr O.K.
Noch saß Günter Luppart am Vorstandstisch,
denn nach dem Vereinsrecht und der Satzung des Verbandes stand seine
Entlastung noch aus. Dipl.-Ing. Kaup, TP-Leiter des TÜV Süddeutschland,
nahm die Gelegenheit wahr, sich mit warmen Worten der Anerkennung von
Luppart zu verabschieden und ihm ein Geschenk zu übergeben. Kaup ließ
keinen Zweifel, dass Luppart für das gedeihliche Miteinander von
Fahrlehrern und Prüforganisation, besonders durch seine hohe Kompetenz auf
dem Motorradsektor, Hervorragendes geleistet hat.
Als Kollege Robert Larbig bestätigt hatte,
dass die Rechnung des Verbandes keinen Grund zur Beanstandung gegeben
hatte und sein Antrag auf Entlastung einstimmig angenommen worden war,
waren die das Geschäftsjahr 2002 betreffenden Regularien abgeschlossen.
Die Absicht des Vorstands, die Sätze der
Mitgliedsbeiträge auf dem Niveau des Vorjahres zu belassen, fand
überwältigende Zustimmung bei den Mitgliedern. Hingegen traf der Antrag
eines Kreisvereins, die Aufnahmegebühr für neue Mitglieder zu streichen,
auf harsche Ablehnung der Versammlung.
Wahlen
Wer wird an die Stelle von Günter Luppart
treten? Die Spannung im Saal nahm zu, als Peter Tschöpe die Wahlleitung
übernahm und nach Kandidaten fragte. Zwei wurden genannt: Wolfgang Fischer
aus Bad Wimpfen und der amtierende Dritte Vorsitzende, Jochen Klima.
Letzterer lehnte die Kandidatur ab und so stand nur Fischer zur Wahl. Die
Mitglieder gaben ihm einen kräftigen Schubs ins Amt, indem sie ihn ohne
Gegenstimme bei lediglich zwei Enthaltungen wählten. Fischer ist kein
gänzlicher Newcomer. Er leitet seit geraumer Zeit erfolgreich den
Kreisverein Heilbronn. Mit seinen 42 Lenzen trägt er ganz erheblich zur
Verjüngung des Vorstandes bei. Mit dieser Wahl, so sehen es viele
Mitglieder, verbindet sich die Hoffnung auf eine über Jahre währende
kontinuierliche Führung und somit gesicherte Zukunft des Verbandes.

Das neue Trio
Weil Robert Larbig schon während zwei
Amtsperioden das Amt eines Rechnungsprüfers inne hatte und die Satzung
eine dritte Wahl nicht zulässt, musste neu gewählt werden. Zwei Kollegen
wurden von der Versammlung als Kandidaten benannt, Sven Dorn aus
Lauchringen und Frieder Gernet aus Neulußheim: Die Versammlung entschied
sich für Sven Dorn, der künftig zusammen mit Erwin Hodapp aus Rheinau die
Finanzen des Verbandes zu prüfen hat.
Die Ergebnisse der Arbeitskreise
In einer souveränen Diskussion über die am
Vortag von den Arbeitskreisen beschlossenen Empfehlungen zeigte die
Mitgliederversammlung sehr deutlich, was sie will und was nicht.
Erfreulich war vor allem die Ablehnung, scheinbar schwer zu klärende
Sachverhalte an irgendwelche ("höhere") Kommissionen zu überweisen. Die
baden-württembergischen Fahrlehrer haben sich von dieser in der Politik
grassierenden Epidemie nicht anstecken lassen. Die Vorarbeit der
Arbeitskreise wurde im Übrigen geschätzt und in den wesentlichen Punkten
mit großer Mehrheit angenommen (hier
finden Sie die Ergebnisse der Arbeitskreise...).
Bei "Verschiedenes", dem letzten Punkt der
Tagesordnung, gab es eine Reihe von Wortmeldungen, die sich auf
berufsständische und vor allem auch auf Fragen des Berufsalltags bezogen.
Der Vorstand stand für alles Rede und Antwort und versprach in
Einzelfällen baldige Klärung. Mit herzlichem Dank an die Mitglieder und
guten Wünschen für die Heimfahrt schloss Peter Tschöpe die Versammlung um
16.50 Uhr - etwas früher als gewohnt.
Xaver Edenhausen |