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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.09.03

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juni/2003, Seite 297

Verbandstag 2003 in Pforzheim

Neue Wege zu mehr Sicherheit für junge Fahrer

 

Das Plenum war beeindruckt, als Staatssekretär Mappus vom Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg am 10. Mai beim Pforzheimer Verbandstag das Wirken des Berufsstandes hervorhob: "Die aktive Mitarbeit des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. und das große Engagement der ca. 4000 Fahrlehrer im Land bieten die Gewähr dafür, dass den Fahranfängern das erforderliche ‚Rüstzeug' für die spätere eigenverantwortliche Teilnahme am Straßenverkehr bestmöglich vermittelt wird." Die mehrfach von starkem Beifall unterbrochene Rede des Politikers enthielt aber auch sehr nachdenkliche Passagen. Darin kam besonders die Sorge der Landesregierung um die Fahrerinnen und Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren zum Ausdruck. Sie seien nach wie vor einem drei- bis viermal höheren Risiko ausgesetzt, im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken, als ältere Kraftfahrer.

Der 1986 eingeführte Führerschein auf Probe reiche noch nicht aus, angesichts der Unfallzahlen seien weitere Maßnahmen erforderlich. Mappus machte klar, dass Baden-Württemberg gerade auch deshalb am Modellversuch zur Einführung der sog. Zweiten Phase der Fahrausbildung teilnehmen wird. Den jungen Führerscheininhabern werde hier nach erfolgreicher Fortbildung angeboten, ihre Probezeit um ein Jahr zu verkürzen. Nachdem der Bund die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen habe, treffe das Land Baden-Württemberg momentan die erforderlichen Vorbereitungen, um das Modell noch in diesem Jahr einführen zu können. Mappus unterstrich in diesem Zusammenhang die herausragende Rolle des Fahrlehrerverbandes und seiner Mitglieder bei der Umsetzung von Neuerungen in der Verkehrssicherheitsarbeit. Der Verband stehe aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung schon fast in der Pflicht, Weiterentwicklungen in der Verkehrssicherheitsarbeit durch eigene Ideen und Initiativen voranzutreiben.


Staatssekretär Stefan Mappus

Patenschaft der Besonnenheit findet Unterstützung des Ministeriums

In der zuvor vom Vorsitzenden Tschöpe in der Begrüßungsansprache angekündigten Aktion Patenschaft der Besonnenheit sah Mappus diese Erwartung bestätigt. Die Initiative, wonach Führerscheininhaber in ihrem Umfeld als "Paten" Verantwortung für junge Fahrer übernehmen und als "Ansprechpartner, Beifahrer, Partner im Sicherheitstraining und vielleicht sogar in einem gewissen Umfang als Sponsor zur Verfügung" stünden, stoße auf ein positives Echo. Das Ministerium sei dabei, wenn im Herbst dieses Jahres eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zur "Patenschaft" steige.

Verbandsverdrossenheit?

Das soll es ja da und dort geben, nicht aber in Baden-Württemberg. Den Beweis lieferten die mehr als 500 Mitglieder und Gäste, die nach Pforzheim gekommen waren, um den Verbandstag lebhaft mitzugestalten. Dabei zeigten die Anwesenheitslisten, dass zwar die Region, in der die Mitgliederversammlung stattfindet, jeweils am stärksten vertreten ist, zugleich aber auch, dass vielen Kolleginnen und Kollegen für den Verbandstag kein Weg zu weit ist. Schon am Vortag war richtig was los. Der Vorstand wollte für einige wichtige Fragen den Rat einer größeren Gruppe von Kolleginnen und Kollegen einholen und richtete deshalb drei Arbeitskreise ein, die am Freitagnachmittag tagten. (hier finden Sie die Ergebnisse der Arbeitskreise...).

Inhaltsreicher, stilvoller Vormittag

Die traditionell auch für Angehörige und Gäste offene Versammlung am Vormittag brachte, wie es die Mitglieder gewohnt sind, qualitätsvolle Redebeiträge.

Neben Bürgermeister Hager, dem Kreisvorsitzenden Emil Veser, dem stellv. Bundesvorsitzenden, Peter Glowalla und Robert Wilhelm von Daimler-Chrysler - wir berichteten darüber in der Maiausgabe dieser Zeitschrift - entboten TP-Leiter Marcellus Kaup vom TÜV Süddeutschland und Wolfram Klitzsch, Vorstandsvorsitzender der Fahrlehrerversicherung, der morgendlichen Versammlung informative Grußadressen, in denen sie die enge Verbundenheit ihrer Unternehmen mit den Fahrlehrern hervorhoben.

Als Wolfram Klitzsch mit augenfälligen Charts die 50-jährige Erfolgsstory der Fahrlehrerversicherung auf die Leinwand projizierte, herrschte gespannte Aufmerksamkeit. Empfindungen der Freude und des Stolzes auf das erfolgreiche berufseigene Versicherungsunternehmen und das Bewusstsein, dort gut und sicher aufgehoben zu sein, mögen viele der Zuhörer bewegt haben.

Viele Ehrungen und ein bewegender Abschied

Es ist in Baden-Württemberg längst Tradition, die Kolleginnen und Kollegen coram publico zu würdigen, die seit 40 und 50 Jahren den Fahrlehrerberuf ausüben oder zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. So auch diesmal (Bilder und Namenslisten siehe Seite 316 ff.). Die anerkennenden Worte, die Vorsitzender Peter Tschöpe für die Lebensleistung der Geehrten fand, honorierte die Versammlung mit starkem Applaus. Ein besonderer Höhepunkt des Vormittags war die Verabschiedung von Günter Luppart aus dem Amt des Zweiten Vorsitzenden. Nach 12 Jahren Vorstandsarbeit und nach Ablauf der Amtsperiode zog Luppart es vor, auf eine weitere Kandidatur zu verzichten und für einen Jüngeren Platz zu machen.

Als Peter Tschöpe sich bei Günter Luppart für dessen loyale und tatkräftige Mitarbeit bedankte und dabei erwähnte, er habe erst jetzt die volle Bedeutung seines schon vor zwei Jahren angekündigten Rückzugs erfasst, war die Emotion über die Trennung von seinem bewährten, oft kritischen, aber stets solidarischen Vize nicht zu verkennen. Die Überreichung eines in Leder gebundenen Bandes aller in der FahrSchulPraxis veröffentlichten Beiträge Lupparts, verbunden mit herzlichen Wünschen für einen langen und gesunden dritten Lebensabschnitt, war Impuls für die Versammelten, sich spontan von ihren Stühlen zu erheben und lang anhaltenden Beifall zu spenden.


Standing Ovations für Günter Luppart


Peter Tschöpe überreicht Günter Luppart die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft

In seiner Erwiderung dankte Luppart den Mitgliedern für das Vertrauen und die ihm in vielen Jahren gehaltene Treue. Zugleich forderte er die Mitglieder dazu auf, die Arbeit des Vorstands stets aufmerksam zu begleiten, wenn nötig auch kritisch. Ebenso wichtig sei aber die gerechte Beurteilung der Leistung und eine grundsätzlich loyale Haltung zu den Führungskräften des Verbandes.

Auch Altvorsitzender Gebhard L. Heiler würdigte in einer kurzen Rede die Verdienste Lupparts um den Berufsstand und den Verband. "Nur wenn sich immer wieder Menschen wie Günter Luppart zur Mitarbeit bereit finden, wird dieser Verband bleiben, was er in den letzten Jahrzehnten war: die kompetente, wirksame, visionäre, allseits geachtete und respektierte Berufsvertretung der Fahrlehrer im Südwesten Deutschlands", rief Heiler der Versammlung zu. Er nutzte die Gelegenheit, die jüngeren Mitglieder aufzufordern, sich für die Verbandsarbeit zur Verfügung zu stellen.

Minutiöses Programm

Es bleibt dabei, das CongressCentrum Pforzheim, kurz CCP, ist eine erstklassige Adresse. Das zeigte sich nicht zuletzt in der ausgezeichneten Qualität des Mittagessens, zu dem der TÜV Süddeutschland die Versammlung auch in diesem Jahr wieder eingeladen hatte.

Und dem Chronisten sei noch eine Bemerkung erlaubt: Was auf Neudeutsch präzises Timing heißt, also die Einhaltung des Zeitplanes, war in Pforzheim den ganzen Tag über vorbildlich. Hervorragende Vorbereitung und exakte Organisation sorgten in allen Phasen dieses Verbandstages für einen reibungslosen Ablauf.

Der Nachmittag

Das Gedenken der im abgelaufenen Jahr verstorbenen Mitglieder und die Ehrung der Mitglieder für 25- und 30-jährige Fahrlehrertätigkeit standen am Beginn der internen Versammlung des Nachmittags. Im darauf folgenden Geschäftsbericht des Vorsitzenden nahmen die Betrachtungen zur wirtschaftlichen Lage der Fahrschulen bedeutenden Raum ein.

Mahnung zu wirtschaftlicher Vernunft

Tschöpe wies vor allem auch auf den im letzten Jahr bedauerlichen Anstieg der Anzahl der Zweigstellen hin und machte deutlich, dass damit kein Geld zu verdienen, aber einiges kaputt zu machen sei. Er mahnte den Willen zu Kooperation an, um die Kosten senken zu können. Der Verband, so hob er hervor, habe in der Vergangenheit durch solide fachliche Beratung vielen Kolleginnen und Kollegen den Weg zu dauerhaften Zusammenschlüssen und funktionierenden Fahrschul-Gesellschaften gezeigt. Auch in Zukunft stehe der Verband dafür uneingeschränkt zur Verfügung. Mit einem Lob für die Treue der Mitglieder und besonderer Anerkennung der Leistung der Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, denen er großen Fleiß, hohen Einsatz, Servicebewusstsein und intelligentes Mitdenken bescheinigte, schloss Peter Tschöpe seinen Bericht.

Rechnungsprüfer geben ihr O.K.

Noch saß Günter Luppart am Vorstandstisch, denn nach dem Vereinsrecht und der Satzung des Verbandes stand seine Entlastung noch aus. Dipl.-Ing. Kaup, TP-Leiter des TÜV Süddeutschland, nahm die Gelegenheit wahr, sich mit warmen Worten der Anerkennung von Luppart zu verabschieden und ihm ein Geschenk zu übergeben. Kaup ließ keinen Zweifel, dass Luppart für das gedeihliche Miteinander von Fahrlehrern und Prüforganisation, besonders durch seine hohe Kompetenz auf dem Motorradsektor, Hervorragendes geleistet hat.

Als Kollege Robert Larbig bestätigt hatte, dass die Rechnung des Verbandes keinen Grund zur Beanstandung gegeben hatte und sein Antrag auf Entlastung einstimmig angenommen worden war, waren die das Geschäftsjahr 2002 betreffenden Regularien abgeschlossen.

Die Absicht des Vorstands, die Sätze der Mitgliedsbeiträge auf dem Niveau des Vorjahres zu belassen, fand überwältigende Zustimmung bei den Mitgliedern. Hingegen traf der Antrag eines Kreisvereins, die Aufnahmegebühr für neue Mitglieder zu streichen, auf harsche Ablehnung der Versammlung.

Wahlen

Wer wird an die Stelle von Günter Luppart treten? Die Spannung im Saal nahm zu, als Peter Tschöpe die Wahlleitung übernahm und nach Kandidaten fragte. Zwei wurden genannt: Wolfgang Fischer aus Bad Wimpfen und der amtierende Dritte Vorsitzende, Jochen Klima. Letzterer lehnte die Kandidatur ab und so stand nur Fischer zur Wahl. Die Mitglieder gaben ihm einen kräftigen Schubs ins Amt, indem sie ihn ohne Gegenstimme bei lediglich zwei Enthaltungen wählten. Fischer ist kein gänzlicher Newcomer. Er leitet seit geraumer Zeit erfolgreich den Kreisverein Heilbronn. Mit seinen 42 Lenzen trägt er ganz erheblich zur Verjüngung des Vorstandes bei. Mit dieser Wahl, so sehen es viele Mitglieder, verbindet sich die Hoffnung auf eine über Jahre währende kontinuierliche Führung und somit gesicherte Zukunft des Verbandes.


Das neue Trio

Weil Robert Larbig schon während zwei Amtsperioden das Amt eines Rechnungsprüfers inne hatte und die Satzung eine dritte Wahl nicht zulässt, musste neu gewählt werden. Zwei Kollegen wurden von der Versammlung als Kandidaten benannt, Sven Dorn aus Lauchringen und Frieder Gernet aus Neulußheim: Die Versammlung entschied sich für Sven Dorn, der künftig zusammen mit Erwin Hodapp aus Rheinau die Finanzen des Verbandes zu prüfen hat.

Die Ergebnisse der Arbeitskreise

In einer souveränen Diskussion über die am Vortag von den Arbeitskreisen beschlossenen Empfehlungen zeigte die Mitgliederversammlung sehr deutlich, was sie will und was nicht. Erfreulich war vor allem die Ablehnung, scheinbar schwer zu klärende Sachverhalte an irgendwelche ("höhere") Kommissionen zu überweisen. Die baden-württembergischen Fahrlehrer haben sich von dieser in der Politik grassierenden Epidemie nicht anstecken lassen. Die Vorarbeit der Arbeitskreise wurde im Übrigen geschätzt und in den wesentlichen Punkten mit großer Mehrheit angenommen (hier finden Sie die Ergebnisse der Arbeitskreise...).

Bei "Verschiedenes", dem letzten Punkt der Tagesordnung, gab es eine Reihe von Wortmeldungen, die sich auf berufsständische und vor allem auch auf Fragen des Berufsalltags bezogen. Der Vorstand stand für alles Rede und Antwort und versprach in Einzelfällen baldige Klärung. Mit herzlichem Dank an die Mitglieder und guten Wünschen für die Heimfahrt schloss Peter Tschöpe die Versammlung um 16.50 Uhr - etwas früher als gewohnt.

Xaver Edenhausen

 

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe Juni 2003

Erscheinungsdatum 15.06.2003

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