FAHRLEHRERVERBAND
Baden-Württemberg e. V.

  

www.flvbw.de

 

Home     RSS     Kontakt     Impressum     Suche

 

Home

News im Web

Fahrschulsuche

Infos für Fahrschüler

Infos für Verkehrsteilnehmer

Infos für Fahrlehrer

Fortbildungsangebote für Fahrlehrer

FahrSchulPraxis
Die Fachzeitschrift
des Verbandes

Ausgaben 2003

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember 2003

November 2003

Oktober 2003

September 2003

August 2003

Juli 2003

Juni 2003

Mai 2003

April 2003

März 2003

Februar 2003

Januar 2003

Übersicht 2003

und mehr...

 

 

 

 

Jahresübersichten

Titelsuche

Abonnement

AGB

Führerscheinklassen

Gerichtsurteile

FAQ

Presse News

Interessante Links

Geschichte

Schmunzelecke

Mitglied im Verband

Suche nach Inhalten

Wir über uns

Kontakt

Impressum

 

FAHRLEHRERVERBAND
Baden-Württemberg e.V.

und
FSG/TTVA mbH
Zuffenhauser Str. 3
70825 Korntal-Münchingen

Tel. 0711 839875-0
Fax 0711 8380211
zum Kontaktformular ...

 

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.09.03

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe August/2003, Seite 422

Motorradunfälle

Soll Klasse A1 in B aufgehen?

 

In regelmäßigen Abständen fordern der Motorradindustrie nahe stehende Kreise, den Inhabern des Führerscheins Klasse B sozusagen par ordre du mufti das Recht zuzusprechen, Krafträder der Klasse A1 fahren zu dürfen. Weil in den letzten Jahren das Interesse junger Menschen am Motorradführerschein nachgelassen habe, müsse der Gesetzgeber endlich dafür sorgen, dass vor allem junge Pkw-Fahrer leicht auf kleine Motorräder bis 125 ccm umsteigen könnten. Im Klartext: Es muss Umsatz her, koste er, was er wolle. Drapiert werden diese Vorstöße mit durch nichts belegten Sprüchen wie: Wer jung mit der 125er in Kontakt kommt, wird später auch Gefallen am großen Motorrad finden.

Es geht also um die Beseitigung des "Hindernisses" Ausbildung. Und da wird immer auch aufs Ausland verwiesen, namentlich auf Italien. Doch die Vorkämpfer des Einheitsführerscheins verschweigen geflissentlich die dortige Unfallbelastung gerade in dieser Klasse. Übergangen wird auch, dass die 125er einfach zu teuer geworden ist, und zwar in der Anschaffung und im Unterhalt. Die Betriebskosten dieser Motorräder sind ein starkes Absatzhemmnis. Dies haben übrigens viele junge Leser der Zeitschrift MOTORRAD in Leserbriefen mitgeteilt.

Auch MOTORRAD stimmt in diesen Chor ein …

Unlängst war auch in der ansonsten sehr auf Verantwortung und Sicherheit bedachten MOTORRAD zu lesen, dass in anderen Ländern kleine Motorräder auch ohne Ausbildung gefahren werden dürfen. Weil der Zugang viel einfacher sei, würde in diesen Ländern das Motorrad wesentlich mehr als Beförderungsmittel genutzt. Man müsse in Deutschland nur die Ausbildungskosten senken, dann würde auch hierzulande das Interesse am Motorrad wieder steigen. Ist es vertretbar, solchen Wünschen nachzugeben? Könnte man es verantworten, allen Pkw-Fahrern das Führen von 125ern ohne Motorradausbildung zu gestatten? Eine Auswertung der jüngsten Unfallstatistik gibt uns die Antwort. Der DVR hat unlängst in einer Grafik die Entwicklung der schweren Motorradunfälle in den letzten Jahren dargestellt. Dabei wird eines besonders deutlich:

Obwohl diese Gruppe allgemein gesehen nach wie vor die im Straßenverkehr am meisten gefährdete ist, ging die Anzahl der ums Leben gekommenen Motorradfahrer bei den jüngeren Fahrern (15 - 35 Jahre) in den letzten 7 Jahren (Bezugsjahr ist 1995) erfreulicherweise um gute 30 Prozent zurück. Bei den 25- bis 35-Jährigen ist der Rückgang sogar noch deutlicher, nämlich 38 Prozent.

Durch Besitzstand umgekehrte Werte

Demgegenüber sind die Zahlen bei den älteren Fahrern alarmierend: Bei der Gruppe der über 35 Jahre alten Motorradfahrer ist die Zahl der Getöteten dramatisch gestiegen. Bei den 35- bis 45-Jährigen stieg die Zahl der Getöteten um 241 Prozent. In dieser Gruppe starben 11 Motorradfahrer mehr als bei den 15- bis 25-Jährigen. Bei den 45- bis 55-Jährigen stieg die Zahl der Getöteten sogar von 43 auf 117, also um 272 Prozent gegenüber dem Bezugsjahr 1995.

Wie lassen sich diese Zahlen erklären? Unter den über 35-Jährigen gibt es eine große Personengruppe, die auf Grund eines vor dem 1.4.1980 erworbenen Altführerscheins der Klasse 3 qua Besitzstandsregelung Klasse A1 besitzt, ohne jemals eine praktische Motorradausbildung durchlaufen zu haben. Bis 1999 wirkte sich dieser Besitzstand kaum aus, da mit dem Führerschein Klasse 1b lediglich die 80er Leichtkrafträder gefahren werden durften, die für gestandene Männer wenig Anreiz boten. Nach der Änderung des Fahrerlaubnisrechtes von 1999 kam die Industrie mit den "klassenlosen" 125er Rollern auf den Markt, die neben dem praktischen Nutzen nicht zuletzt nostalgische Attraktivität boten. Händler schwitzen oft Blut, wenn die Inhaber der "Besitzstandsklasse" mit einem 125er Roller Probefahrten unternehmen. Obwohl sie gerne schnell verkaufen, graut ihnen oft vor dem Schicksal der Kunden. Meist schicken sie sie zur nächsten Fahrschule, um nicht in den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung zu geraten. Leider nehmen viele diesen Rat nicht an. Hierin ist mindestens ein Teil der dramatischen Entwicklung zu sehen.

Motorradspezifische Ausbildung muss bleiben

Auch in Baden-Württemberg weisen die Unfallzahlen in diese Richtung. Bei den 35- bis 44-jährigen Motorradfahrern stieg die Anzahl der Verunglückten von 1.181 im Jahr 2000 auf 1.267 im Jahr 2001, bei den 45- bis 59-Jährigen von 585 auf 689. In der Gruppe der 15- bis 17-Jährigen sank dagegen die Anzahl der verunglückten Motorradfahrer von 916 auf 820, und bei den 18- bis 24-Jährigen von 919 auf 898. Auch bei Trennung nach Schwer- und Leichtverletzten zeigt sich dieser unselige Trend. Der Gesetzgeber ist also klug beraten, wenn er dem Drängen der Motorradlobby in diesem Punkt nicht nachgibt, sondern an einer motorradspezifischen Ausbildung und Prüfung festhält. Sehenden Auges noch mehr Motorradunfälle in Kauf zu nehmen, ist nicht zu vertreten, auch nicht mit Blick auf einen vor allem wegen der allgemeinen Wirtschaftsflaute vorübergehend etwas schwächeren Motorradmarkt.

Jürgen Bauer

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe August 2003

Erscheinungsdatum 15.08.2003

Artikel dieser Ausgabe im WWW: