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Ist die Einstellung der Concorde-Flüge ein
Vorzeichen für flugtechnischen Stillstand oder gar Rückschritt? Jedenfalls
empfanden unlängst nicht wenige Fans der Concorde - und die gab es nicht
nur im Jetset - die spektakuläre Überführung des 2200 km schnellen
Passagierflugzeugs ins Museum nach Sinsheim als eine zwar pompöse, aber
tieftraurige Grablegung des fliegerischen Pioniergeists.

Foto: www.sinsheim.de
Wer sich die Überquerung des Atlantiks mit
doppelter Schallgeschwindigkeit für Preise zwischen 7.500 und 10.000
Dollar leisten konnte, mag erst recht enttäuscht sein. Diesen
Privilegierten ging es aber weniger um den fliegerischen Fortschritt als
vielmehr um die kurze Flugzeit zwischen den Metropolen des alten und des
neuen Kontinents. Eine Rolle mag auch gespielt haben, dass man ganz unter
sich war. Und nicht zu vergessen: Concorde zu fliegen war der Ausweis für
Exklusivität schlechthin, sozusagen ein Orden der Elitisierung.
Überschallflug - für immer adieu?
Was morgen kommt, weiß man nicht. Aber
vorerst wird es den Überschallflug für Passagiere nicht mehr geben. Vieles
spricht dafür, dass diese Art des Fliegens sogar für sehr lange Zeit den
Jetfightern vorbehalten sein wird. Aber geht damit auch der Fortschritt
für das kommerzielle Flugwesen dahin? Die Antwort ist ein klares Nein. Die
Concorde ist vor mehr als 35 Jahren entstanden. Diesen Zeitraum muss man
ins Auge fassen, um den heutigen Stand zu beurteilen:
- Fliegen ist während dieser Zeitspanne
dank besserer Navigationssysteme, die bis auf 0,1 nautische Meilen genau
sind (etwa 200 m), viel sicherer geworden. Diese Systeme ermöglichen es
den Piloten, auch unter extremen Sichtbehinderungen sicher zu landen.
- Die modernen Jetliner können infolge
struktureller Verbesserungen des Antriebs und der Aerodynamik wesentlich
weiter fliegen und bieten so den Passagieren den Komfort
ununterbrochener Direktflüge.
- Die Betriebskosten konnten dank größerer
Sitzplatzkapazität und einem um die Hälfte geringeren
Kraftstoffverbrauch kontinuierlich gesenkt werden. Das hat das Fliegen
für weit mehr Menschen attraktiv und für viele überhaupt erst möglich
gemacht.
- Passagierflugzeuge sind heute viel
leiser und wesentlich umweltfreundlicher als zur Zeit des Jungfernflugs
der Concorde. Der Ausstoß an Schadstoffen konnte um rd. 70 Prozent, der
Geräuschpegel um rd. 80 Prozent gesenkt werden.
- Wer 1966 z. B. von Frankfurt nach New
York flog, bekam selbst in der 1. Klasse nicht mehr als ein paar
Zeitungen oder Magazine geboten, um der Langeweile zu entgehen. Heute
haben die Passagiere Auswahl unter verschiedenen Musik- und
Videoprogrammen. Vielfach stehen den Passagieren auch schon während des
gesamten Fluges funktionierende Telefonsysteme und Netzstrom für den
Laptop zur Verfügung.
All dieses zusammengenommen ist - zugegeben
- noch lange kein revolutionärer technischer Hit nach Art der Concorde.
Und all dies hilft nichts, wenn wir an die langen Flugstunden von
Frankfurt bis an die Ferienstrände der Dominikanischen Republik denken,
von Sydney gar nicht zu reden. Aber wäre uns mit einem Flug von nur 3½
Stunden mehr gedient?
Der Donnervogel, daran sollte man sich
erinnern, war alles andere als umweltfreundlich. Die sonst in diesen
Dingen gar nicht so zimperlichen Amerikaner ließen ihn wegen seines
infernalischen Krachs während der 35 Jahre nur in New York landen,
landeinwärts sollte die amerikanische Nachtruhe nicht durch den
Überschallknall gestört werden. Die Passagiere saßen - gar nicht elitär -
sardinenartig dicht.
Sprit für einen Jumbo
Mit dem zwischen Paris oder London und New
York verbrauchten Kerosin hätte man leicht auch einen Jumbo mit 350
Passagieren an Bord über den großen Teich schicken können. In der Concorde
hingegen fanden nur 100 Platz. Und in der letzten Phase, namentlich nach
dem Absturz am 25. Juli 2000 in Paris, bei dem 100 Passagiere, 9
Crewmitglieder und 4 Gäste eines nahe gelegenen Hotels ums Leben kamen,
liefen den Betreibern Air France und British Airways infolge notwendiger
Umrüstungen und Überholungen die Kosten in dreistelligen Dollarmillionen
davon. Das Aus war unvermeidlich. Und das ist gut so. Denn die Bilanz sah
bei genauer Betrachtung von Anfang an so aus, dass die Concordeflieger mit
dem Obolus der "Holzklasse-Passa-giere" subventioniert wurden. Indes, die
Idee, Menschen mit Überschall in 20 Kilometer Höhe durch die Lüfte zu
jagen, ist in den Konstruktionsbüros der großen Flugzeugfabriken alles
andere als ad acta gelegt.
Sicherer und sparsamer ist mehr als
Geschwindigkeit
Die Stratosphäre reizt die Ingenieure nach
wie vor, aber die Kaufleute sind skeptisch und sehen den Fortschritt der
näheren Zukunft in Flugzeugen, die, aus leichteren Werkstoffen gebaut,
etwa 20 % weniger Kraftstoff pro Passagier verbrauchen als die sparsamsten
von heute. Hier kommt besonders die A380 von Airbus ins Bild, die auf zwei
Stockwerken 555 Passagiere befördern und schon 2006 in Betrieb genommen
werden wird. Wenn alles wahr ist, was über diesen Vogel geschrieben wird,
ist er ein schlagender Beweis für die ungebrochene Dynamik der
Luftfahrttechnik. Der Stratosphärenflug ist zwar out, aber wenn dafür
Fliegen immer sicherer und umweltfreundlicher wird, sollten wir uns an der
"Langsamkeit" von 850 km/h über Boden nicht stören. |