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Die am 17.05.2003 in Kraft getretene
Verordnung überlässt es den einzelnen Bundesländern die "Freiwillige
Fortbildung von Inhabern der Fahrerlaubnis auf Probe", kurz Zweite Phase
genannt, einzuführen. Die Einzelheiten der Durchführung werden durch
Ländererlasse geregelt, die sich an einem Mustererlass des BMVBW
orientieren. Als Belohnung für die Teilnahme an einem speziellen
Fortbildungsseminar für Fahranfänger (FSF) wird den jungen Fahrerinnen und
Fahrern ein Jahr Probezeit geschenkt.
Es steht nun fest: Die Zweite Phase startet
mit Beginn des kommenden Jahres. Die meisten Bundesländer machen mit, so
auch Baden-Württemberg und die angrenzenden Länder. Eine besondere
Herausforderung liegt darin, die jungen Fahrerinnen und Fahrer über die
Ziele der Zweiten Phase zu informieren und sie vom Sinn und Nutzen des
Projektes zu überzeugen. Dabei spielen die Fahrschulen eine zentrale
Rolle.
Eine Bitte an alle
Schon jetzt eine große Bitte an alle
Kolleginnen und Kollegen, auch an die, die sich im Moment noch nicht für
die aktive Teilnahme an FSF (so die offizielle Abkürzung) als
Seminarleiter entschieden haben:
Informieren Sie und überzeugen Sie Ihre
jungen Kunden davon, dass die Teilnahme an diesem Seminar ihnen hilft, die
Anfangsphase unfallfrei zu meistern.
Um alle Mitglieder des Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e.V. ins Bild zu setzen, geben wir hier einen kleinen
Überblick über den Seminarablauf und die Seminarinhalte.
3 x Theorie, 2 x Praxis
Das FSF-Seminar besteht aus drei
theoretischen und zwei praktischen Teilen. Vier davon finden unter Leitung
eines Seminarleiters in der Fahrschule statt. Der fünfte Teil wird von
einem Moderator für das Sicherheitstraining, der einer dafür
zertifizierten Organisation angehört, geleitet. Zu den vier von der
Fahrschule durchzuführenden Teilen gehört als praktischer Baustein eine
Beobachtungs- und Übungsfahrt. Der fünfte Teil umfasst spezielle
Sicherheitsübungen, die jedoch nicht einem herkömmlichen
Sicherheitstraining gleichzusetzen sind. Natürlich kann ein Fahrlehrer,
der die Zulassung als FSF-Seminarleiter und als Moderator für das SHT
besitzt, das gesamte Seminar alleine durchführen.
Ein logisch aufbauendes Programm
Die beiden praktischen Teile müssen
zwischen der ersten und der dritten Sitzung durchgeführt werden. Die
genaue Positionierung dieser Teile innerhalb eines Seminars ist dem
jeweiligen Seminarleiter überlassen und wird sehr oft von den
organisatorischen Rahmenbedingungen abhängen.
Im Folgenden werden die Teile in der
Reihenfolge aufgezählt und beschrieben, wie sie von den Autoren des
Programms zur Erreichung der Seminarziele als optimal angesehen werden.
- Jede der drei Sitzungen im theoretischen
Teil dauert, anders als bei ASF und ASP, nur 90 Minuten.
Die erste Sitzung
Die erste Sitzung dient hauptsächlich dem
gegenseitigen Kennenlernen und der Gruppenbildung. Dabei werden den
Teilnehmern mehrere Fragen gestellt. So sollen sie beispielsweise
berichten,
- zu welchen Zwecken sie ihr Auto
benutzen;
- was sie inzwischen anders machen als in
der Fahrschule gelernt;
- welche schwierigen Situationen sie
bereits erlebt haben;
- was sie im Verkehr noch als schwierig
empfinden und deshalb gerne während der Beobachtungs- und Übungsfahrt
üben wollen.
Die Beobachtungs- und Übungsfahrt
Idealerweise findet nach der ersten Sitzung
die Beobachtungs- und Übungsfahrt statt. Beobachter ist nicht nur der
Seminarleiter, sondern auch mindestens ein weiterer Teilnehmer. Pro
Teilnehmer ist eine Fahrtdauer von 60 Minuten vorgesehen, die in Blöcke zu
jeweils etwa 20 Minuten gegliedert wird. Jeder Block hat eine andere
Zielsetzung.
- Fahren in eigener Verantwortung unter
Beobachtung durch Mitfahrer und Seminarleiter.
- Üben von Situationen, die der Teilnehmer
als für ihn noch schwierig bezeichnet hat.
- Festigung des in der Fahrschule
erlernten, sicheren und umweltschonenden Fahrstils.
Zu der Fahrzeit kommen pro Teilnehmer noch
etwa 30 Minuten für die Besprechung der Fahrten hinzu, sodass pro
Teilnehmer 90 Minuten einzuplanen sind. Die Mitnahme eines zweiten
Probanden ist kaum sinnvoll. Bei drei Teilnehmern wäre die Gruppe 4 ½
Stunden unterwegs, für alle Beteiligten kaum zumutbar.
Die zweite Sitzung
Inhalte der zweiten Sitzung werden im
Wesentlichen sein:
- Mitfahrer im Auto;
- Geteilte Aufmerksamkeit beim Fahren -
Ablenkung, Nebentätigkeiten;
- Emotionen, Gefühle, Zeitdruck, Stress;
- Übernahme von Verantwortung.
Nach der zweiten Sitzung geht die Gruppe
zum Moderator, der auf einem nicht öffentlichen Platz mit Gleitfläche die
beiden Bereiche trainiert, die Fahranfängern die größten Probleme
bereiten:
Bremsen in verschiedenen Situationen, bei
unterschiedlichen Fahrbahnzuständen und bei Kurvenfahrten. Dabei sollen
sie auch die Auswirkung der Fliehkraft bei unterschiedlichen
Geschwindigkeiten "erfahren". Die Teilnehmer sollen die verschiedenen
Situationen sowohl aus der Fahrerperspektive als auch aus der des
Beifahrers erleben.
Dritte Sitzung: Alkohol und Drogen
In der abschließenden dritten Sitzung
werden die Problembereiche Alkohol und Drogen im Straßenverkehr
angesprochen. Die Teilnehmer sollen überdies die vielfältigen
Einflussfaktoren des Fahrens erfassen und sichere, anwendbare
Fahrstrategien entwickeln.
Am Ende des Seminars stellt der
Seminarleiter jedem Teilnehmer eine Teilnahmebestätigung aus. Gegen
Vorlage dieser Bestätigung wird die Probezeit um ein Jahr verkürzt. Wird
das Seminar im ersten Jahr nach Erteilung der Fahrerlaubnis besucht, endet
die Probezeit nach 12 Monaten. Für während der Probezeit auffällig
Gewordene verlängert sich die Probezeit bekanntlich um zwei Jahre; doch
auch für diese jungen Fahrer gilt der Bonus der Verkürzung um ein Jahr,
wenn sie an einem FSF teilgenommen haben.
Die Öffentlichkeit mobilisieren
Die Fahrlehrerverbände werden in den
nächsten Monaten alles daran setzen, um die Zweite Phase in der
Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der DVR hat hierfür seine Unterstützung
zugesagt. Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, können diese Kampagne
mächtig unterstützen, indem sie ihre Fahrschüler im Theorieunterricht
nachdrücklich auf die Vorteile der Teilnahme an einem FSF hinweisen und
dafür werben. Wir alle wissen, dass Freiwilligkeit heutzutage - sieht man
einmal vom Vergnügen ab - nicht allzu groß geschrieben wird. Trotzdem
sollten wir Fahrlehrer alle unsere Möglichkeiten anstrengen, um der
Zweiten Phase auf die Beine zu helfen.
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