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Mitglied in einem Verein zu sein, ist bei
jungen Leuten derzeit nicht gerade in Mode. Sport- und Musikvereine klagen
allerorten über mangelnden Nachwuchs. Auch die Automobilclubs tun sich
schwer, junge Menschen zur Mitgliedschaft zu motivieren. Was liegt da
näher als sie schon in der Fahrschule abzupassen und zu keilen? Der
vorläufige Gipfel der hierbei angewandten Werbemethoden ist die sog.
ACE-Lizenz-Fahrschule!
Noch nie etwas davon gehört? Dann hat Sie
der freundliche Vertreter des Auto Club Europa (ACE) noch nicht besucht.
Aber vielleicht schneit er ja an einem der nächsten Unterrichtsabende
herein und sagt Ihnen, wie er Sie im Handumdrehen zur
ACE-Lizenz-Fahrschule adeln kann. Der ACE steht bekanntlich den
Gewerkschaften nahe. Laut Homepage (www.ace-online.de) wurde der
Automobilclub 1965 von Gewerkschaften des DGB gegründet. Erst 1995, also
dreißig Jahre später, öffnete sich der Verein auch für "Menschen ohne
gewerkschaftliche Bindung". Da Betriebsräte oft aus der Gewerkschaft
kommen, gibt es unter ihnen viele ACE-Mitglieder.

Geschenkgutscheine als Kopfprämie
Jener Vertreter hat ganz offensichtlich die
Aufgabe, für den ACE neue Mitglieder zu werben. Das sagt er zwar nicht
ausdrücklich, aber er sagt, er habe über die Betriebsräte gute Kontakte zu
den Auszubildenden in den großen Unternehmen. Auserwählte Azubi bekämen
von ihm einen Zuschuss zum Führerschein in Form eines Geschenkgutscheins
über Euro 50. Warum die jungen Leute den Gutschein bekommen, verrät er
nicht. Es drängt sich jedoch auf, dass es sich um eine Kopfprämie für den
Beitritt zum ACE handelt.
Werbung und Gebietsschutz?
Sodann rückt der Vertreter mit verlockend
klingenden Fakts heraus: Die Gutscheine könnten nicht in x-beliebigen
Fahrschulen eingelöst werden, sondern nur in eigens dafür ausgesuchten -
eben in den handverlesenen ACE-Lizenz-Fahrschulen. Und er sei hierher
gekommen, so der Vertreter weiter, weil er speziell diese Fahrschule an
den Segnungen des Systems teilhaben lassen möchte. Wenn der
Fahrschulinhaber mitmache, sei ihm für alle Zeiten wirksame Werbung in den
Betrieben und damit ein nie versiegender Kundenstrom sicher. Auch werde
ihm Gebietsschutz zugesichert, will heißen, dass an diesem Ort keine
andere Fahrschule das Prädikat ACE-Lizenz-Fahrschule zuerkannt bekomme.
Wer jetzt immer noch nicht so richtig an das Glück dieses Besuchs glauben
will, erfährt zum Schluss, die Aktion sei beim Fahrlehrerverband bekannt.
Da bleibt dem Fahrschulinhaber endgültig die Spucke weg. Verblüfft und
verunsichert zugleich fragt er sich, ob sein Verband neuerdings in das
Lager der Syndikalisten übergetreten ist.
Wer zahlt die Kampagne?
Das System des ACE hat einen üblen Haken,
der richtig piekst, sobald Fahrschüler den Gutschein vorlegen. Der ACE
zahlt nämlich rein nichts, er macht seine Werbung auf Kosten der
ACE-Lizenz-Fahrschule. Denn die € 50 gehen zu ihren Lasten, sie alleine
muss bei Vorlage des Gutscheins bluten. Erstattung des Nachlasses durch
den ACE ist nicht vorgesehen!
Fazit:
Der ACE will nichts anderes als mit
fragwürdigen Mitteln auf Kosten der Fahrschulen Mitglieder werben. Das
erinnert an die üblen Machenschaften der "Gewerkschaftsfahrschule Erschens",
die in den 60er Jahren in Stuttgart und Umgebung ihr Unwesen trieb und
unter den Augen des DGB durch Beschäftigung von "Freien Mitarbeitern" in
den Stuttgarter Fahrschulen zahlreiche sozialversicherungspflichtige
Arbeitsplätze vernichtete. Der ACE täte gut daran, seine Werbestrategen
zurückzupfeifen. Es ist ja nicht so, dass die Fahrschulen sich verweigern,
auf einer fairen Basis mit den Automobilclubs zusammenzuarbeiten - aber
nicht unter einem solchen Diktat.
Übrigens: Es stimmt, dass die Aktion beim
Fahrlehrerverband bekannt ist. Aber nur deshalb, weil der
Verbandsvorstand, nachdem ihm empörte Mitglieder einige Gutscheine
zugeschickt hatten, bei der Zentrale des ACE in Stuttgart nachgefragt hat. |