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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.12.03

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe November/2003, Seite 586

ACE-Lizenz-Fahrschule

Die "Auserwählte" zahlt drauf

 

Mitglied in einem Verein zu sein, ist bei jungen Leuten derzeit nicht gerade in Mode. Sport- und Musikvereine klagen allerorten über mangelnden Nachwuchs. Auch die Automobilclubs tun sich schwer, junge Menschen zur Mitgliedschaft zu motivieren. Was liegt da näher als sie schon in der Fahrschule abzupassen und zu keilen? Der vorläufige Gipfel der hierbei angewandten Werbemethoden ist die sog. ACE-Lizenz-Fahrschule!

Noch nie etwas davon gehört? Dann hat Sie der freundliche Vertreter des Auto Club Europa (ACE) noch nicht besucht. Aber vielleicht schneit er ja an einem der nächsten Unterrichtsabende herein und sagt Ihnen, wie er Sie im Handumdrehen zur ACE-Lizenz-Fahrschule adeln kann. Der ACE steht bekanntlich den Gewerkschaften nahe. Laut Homepage (www.ace-online.de) wurde der Automobilclub 1965 von Gewerkschaften des DGB gegründet. Erst 1995, also dreißig Jahre später, öffnete sich der Verein auch für "Menschen ohne gewerkschaftliche Bindung". Da Betriebsräte oft aus der Gewerkschaft kommen, gibt es unter ihnen viele ACE-Mitglieder.

Geschenkgutscheine als Kopfprämie

Jener Vertreter hat ganz offensichtlich die Aufgabe, für den ACE neue Mitglieder zu werben. Das sagt er zwar nicht ausdrücklich, aber er sagt, er habe über die Betriebsräte gute Kontakte zu den Auszubildenden in den großen Unternehmen. Auserwählte Azubi bekämen von ihm einen Zuschuss zum Führerschein in Form eines Geschenkgutscheins über Euro 50. Warum die jungen Leute den Gutschein bekommen, verrät er nicht. Es drängt sich jedoch auf, dass es sich um eine Kopfprämie für den Beitritt zum ACE handelt.

Werbung und Gebietsschutz?

Sodann rückt der Vertreter mit verlockend klingenden Fakts heraus: Die Gutscheine könnten nicht in x-beliebigen Fahrschulen eingelöst werden, sondern nur in eigens dafür ausgesuchten - eben in den handverlesenen ACE-Lizenz-Fahrschulen. Und er sei hierher gekommen, so der Vertreter weiter, weil er speziell diese Fahrschule an den Segnungen des Systems teilhaben lassen möchte. Wenn der Fahrschulinhaber mitmache, sei ihm für alle Zeiten wirksame Werbung in den Betrieben und damit ein nie versiegender Kundenstrom sicher. Auch werde ihm Gebietsschutz zugesichert, will heißen, dass an diesem Ort keine andere Fahrschule das Prädikat ACE-Lizenz-Fahrschule zuerkannt bekomme. Wer jetzt immer noch nicht so richtig an das Glück dieses Besuchs glauben will, erfährt zum Schluss, die Aktion sei beim Fahrlehrerverband bekannt. Da bleibt dem Fahrschulinhaber endgültig die Spucke weg. Verblüfft und verunsichert zugleich fragt er sich, ob sein Verband neuerdings in das Lager der Syndikalisten übergetreten ist.

Wer zahlt die Kampagne?

Das System des ACE hat einen üblen Haken, der richtig piekst, sobald Fahrschüler den Gutschein vorlegen. Der ACE zahlt nämlich rein nichts, er macht seine Werbung auf Kosten der ACE-Lizenz-Fahrschule. Denn die € 50 gehen zu ihren Lasten, sie alleine muss bei Vorlage des Gutscheins bluten. Erstattung des Nachlasses durch den ACE ist nicht vorgesehen!

Fazit:

Der ACE will nichts anderes als mit fragwürdigen Mitteln auf Kosten der Fahrschulen Mitglieder werben. Das erinnert an die üblen Machenschaften der "Gewerkschaftsfahrschule Erschens", die in den 60er Jahren in Stuttgart und Umgebung ihr Unwesen trieb und unter den Augen des DGB durch Beschäftigung von "Freien Mitarbeitern" in den Stuttgarter Fahrschulen zahlreiche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vernichtete. Der ACE täte gut daran, seine Werbestrategen zurückzupfeifen. Es ist ja nicht so, dass die Fahrschulen sich verweigern, auf einer fairen Basis mit den Automobilclubs zusammenzuarbeiten - aber nicht unter einem solchen Diktat.

Übrigens: Es stimmt, dass die Aktion beim Fahrlehrerverband bekannt ist. Aber nur deshalb, weil der Verbandsvorstand, nachdem ihm empörte Mitglieder einige Gutscheine zugeschickt hatten, bei der Zentrale des ACE in Stuttgart nachgefragt hat.

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe November 2003

Erscheinungsdatum 15.11.2003

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