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Fax 0711 8380211
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 03.06.04

 

Presse-Information der

Bundesvereinigung der
Fahrlehrerverbände e.V.

Zusammenschluss von Fahrlehrerverbänden im Bundesgebiet

März 2004

Hinweis: Der Modellversuch FSF wurde zum 31.12.2010 beendet.

(Langfassung)

Die Zweite Ausbildungsphase

(FSF-Seminare)

> zur Kurzfassung

Die Fortbildungsseminare für Fahranfänger (zweite Fahrausbildungsphase) wurden überwiegend zum 01.01.2004 eingeführt (in einigen Ländern erst zum 01.04.2004). Seit Dezember 2003 haben sich 2.200 Seminarleiter qualifiziert und können somit die amtliche Anerkennung zur Durchführung dieser Fortbildungsseminare durch die zuständigen Verwaltungsbehörden erhalten.

Anmeldung

Vor Ort bei den Fahrschulen; Informationen können auch die Fahrlehrer-Landesverbände geben.

Wer darf am FSF-Seminar teilnehmen?

Teilnehmer, die mindestens sechs Monate Inhaber einer Fahrerlaubnis der Klasse B sind und deren Probezeit nach § 2a des Straßenverkehrsgesetzes noch nicht abgelaufen ist.

Was kostet ein komplettes FSF-Seminar:

Zwischen € 260,00 und € 280,00 (darin ist der Anteil für die praktischen Sicherheitsübungen von € 25,00 bis € 80,00 enthalten).

Der Ablauf der zweiten Ausbildungsphase (FSF-Seminar)

In einem Zeitraum von zwei bis acht Wochen durchlaufen Gruppen von sechs bis zwölf jungen Fahrerinnen und Fahrern drei Gruppentreffen à 90 Minuten.
Jeweils zwischen zwei Gruppentreffen werden die praktischen Elemente durchgeführt:

  • eine Übungs- und Beobachtungsfahrt im öffentlichen Straßenverkehr in kleinen Gruppen von zwei bis drei jungen Fahrern mit einer reinen Fahrzeit pro Fahrer von 60 Minuten
  • praktische Sicherheitsübungen für Fahranfänger in der selben Gruppe wie in den theoretischen Teilen mit einer Dauer von 240 Minuten auf einem geeigneten „abgeschlossenen“ Gelände.

Das erste Gruppentreffen dient der Aktualisierung bzw. Problematisierung, also der Einstimmung auf die Thematik, der Bewusstwerdung des Problems und der Beschreibung des Ist-Zustandes der Erfahrungswelt der jungen Fahrer/innen.

Die praktischen Teile und das zweite Gruppentreffen dienen der Konkretisierung (Information) und der Umsetzung (Training) der vielfältigen Einflüsse, die Fahren bestimmen.

Im dritten Gruppentreffen findet der Transfer für das zukünftige Verhalten im Straßenverkehr statt, also die Erarbeitung von sicheren, persönlichen Fahrstrategien auf Basis der gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse in den vorherigen vier Seminarteilen.

Vergrößerung im pdf-Format

Mit dem Abschluss der „Entdeckungsreise“ im dritten Gruppentreffen besitzt jede(r) junge Fahrerin/Fahrer dann einen persönlichen Bericht über die Vielfältigkeit des Straßenverkehrs, verknüpft mit ganz persönlichen, sicheren Fahrstrategien für die Zukunft, um auf Basis der vorhandenen Erfahrungen eine Kompetenzerhöhung für gefährdungsvermeidendes Verhalten zu erhalten und Verantwortung für sicheres Fahren zu übernehmen, damit zukünftig die Unfallzahlen in dieser Altersgruppe gesenkt werden können.

Probezeitverkürzung

Da das System der zweiten Fahrausbildungsphase freiwillig ist, also nicht von jedem besucht werden muss, ist die Teilnahme mit folgendem Anreiz versehen:

  • junge Fahrer/innen können durch die Teilnahme ihre Regelprobezeit von 2 Jahren auf maximal 1 Jahr verkürzen;
  • junge Fahrer/innen, die sich bereits in der verlängerten Probezeit befinden, können diese von 4 Jahren auf maximal 3 Jahre verkürzen.

Wer führt die Seminare durch?

Damit in dieser pädagogisch geführten „Entdeckungsreise“ auch die gewünschten Ziele erreicht werden, bedarf es ausgesprochen professioneller Begleiter, die die jungen Fahrer/innen in der Erfahrungssammlung und -auswertung unterstützen.

Die Gruppentreffen und die praktische Übungs- und Beobachtungsfahrt werden von speziell dafür ausgebildeten Fahrlehrern (Seminarleitern) durchgeführt, die schon vielfältige Erfahrungen in der Durchführung von Aufbauseminaren haben.

Die praktischen Sicherheitsübungen für Fahranfänger werden von einem speziell für diese Aufgabe ausgebildeten Moderator des Pkw-Sicherheitstrainings durchgeführt.

Dabei müssen beide miteinander kooperieren und sich austauschen, um die Ziele der zweiten Fahrausbildungsphase zu erreichen, da die einzelnen Seminarteile miteinander zusammenhängen und nicht losgelöst betrachtet werden dürfen.

Wissenschaftliche Begleitung

Durch eine wissenschaftliche Begleituntersuchung soll zeitnah geprüft werden, ob Optimierungsbedarf besteht und ob die Ziele erreicht werden.

Warum eine zweite Ausbildungsphase (FSF-Seminare)?

Um die Ziele, Inhalte, Aufbau und Vorgehensweisen der zweiten Fahrausbildungsphase nachvollziehen zu können, bedarf es einer systematischen Betrachtung der Zielgruppe der jungen Fahranfänger im Alter von 17 bis ca. 24 Jahren.

Dieser Lebensabschnitt wird geprägt durch eine Vielzahl von Wünschen an die zukünftige Gestaltung des persönlichen Lebens und seines Umfeldes. Beim Eintritt in die Erwachsenenwelt rücken Faktoren in den Mittelpunkt, die eher emotionalen Charakter besitzen:

  • das andere Geschlecht bzw. die Bestimmung der eigenen sexuellen Ansprüche gewinnt zunehmend an Bedeutung;
  • das Finden und Eingehen einer Partnerschaft, die Bindung an eine andere Person, erhält einen ernst zu nehmenden Stellenwert, verbunden mit einer Suche nach Geborgenheit, den Arm, an den man sich anlehnen kann;
  • die Suche nach der zukünftigen beruflichen Betätigung;
  • der Genuss des Lebens, verbunden mit Spaß oder "Fun";
  • der ausgeprägte Wunsch nach neuer, selbstbestimmter Mobilität, einer Unabhängigkeit vom "Taxi-Mami" oder "Taxi-Papi", um sich z.B. die beschriebenen Wünsche in einer neuen Qualität erfüllen zu können.

Dabei spielt der Führerschein in dieser Phase eine entscheidende Rolle. Er ist die Voraussetzung dafür, selbstgestaltete Mobilität zu erfahren und stellt in unserer Gesellschaft den "einzigen", nach außen sichtbaren Beweis dar, den Übergang in die Erwachsenenwelt geschafft zu haben.

Begleitet von diesen Wünschen und Motiven durchlaufen die jungen Menschen die Fahrausbildung. Sie erlernen, wie man ein Fahrzeug sicher durch den Straßenverkehr bewegt, und welche Spielregeln dabei gelten. Überwiegend theoretisch erfahren sie teilweise auch, wie sich Emotionen und fahrphysikalische Bedingungen auf das Fahren auswirken können, aber immer unter der Begleitung eines Profis, der in dem einen oder anderen Fall die "Notbremse" zieht, vielfach überraschend.

Mit Erhalt des Führerscheins fällt die schützende Führung des Profis weg und die Realität des Straßenverkehrs zeigt sich in all seinen Auswirkungen mit voller Wucht. Dabei haben die jungen Menschen eine relativ geringe Fahrerfahrung und lernen neue Verkehrswirklichkeiten (Fahrsituationen und soziale Situationen) kennen, die sie in der Fahrausbildung bisher nicht erlebt haben und erleben konnten und für die sie noch keine Lösungen parat haben können.

Das Anfängerrisiko

Diese brisante Mischung, in der Wissenschaft mit den Begriffen "Anfängerrisiko" und "Jugendlichkeitsrisiko" umschrieben, führt zu einem Gesamtrisiko, das vielfach mit schlimmen Schicksalsschlägen verbunden ist.

Die statistischen Zahlen beschreiben dieses Dilemma nüchtern, aber deutlich.

Der Bevölkerungsanteil der jungen Menschen im Alter von 18 bis unter 25 Jahren liegt in der Bundesrepublik Deutschland bei ca. 8%. Bei den Toten und Verletzten im Straßenverkehr hat diese Altersgruppe einen Anteil von ca. 22% und bei den getöteten Pkw-Fahrern und Pkw-Mitfahrern sogar einen Anteil von etwas mehr als 32%, also fast ein Drittel aller bei einem Pkw Getöteten entstammen dieser Altersgruppe. Damit sind der Straßenverkehr und besonders die Fahrt in einem Pkw die Haupttodesursache von jungen Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren. Übrigens nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches, ja weltweites Problem.

Fahranfänger unterliegen einem "Perfektionszwang", also von Beginn an gleich alles perfekt und richtig machen zu müssen.

Das Regelwerk des Straßenverkehrs gestattet keine Fehler. Dies bedeutet, dass keine Lehrjahre zugestanden werden. Es findet im Straßenverkehr ein "Erwachsen-Werden" ohne Lernprozess statt. Junge Menschen lösen dieses Problem mit "Cool-Sein" als Bewältigungsstrategie.

Die Freizeitgestaltung junger Menschen findet, auch in Ballungszentren, überwiegend mit dem Fahrzeug statt. Dabei ist der Besetzungsgrad (Anzahl der Mitfahrer) in den Fahrzeugen außergewöhnlich hoch.

„Junges“ Fahren ist kein rationales Fahren von A nach B, sondern wird durch Wegeketten bestimmt, vielfach spontan und nicht planbar.

Beim „jungen“ Fahren lassen sich vier typische Fahrsituationen (soziale Situationen) beschreiben, die zu kritischen Situationen führen:

  • Beweisführung/Test (man versucht zu zeigen, dass man sein Fahrzeug beherrscht und sucht geradezu Situationen auf, um sich selbst und sein Fahrzeug darin zu testen, herauszubekommen, was man schon kann)
  • Ausblenden (in einer Fahrsituation werden die vielleicht schon bekannten Gefahren bzw. Risiken verdrängt, regelrecht ausgeblendet. Die Fahrsituation und deren scheinbar coole Bewältigung steht im Vordergrund.)
  • Ausbruch (der Moment, der Flirt mit dem/der Beifahrer(in), die vorhandene Emotion bestimmt die Fahrsituation und führt zu ganz spontanen Ausbrüchen, so als ob mit einem die "Pferde durchgehen".)
  • Bruchwerke (es kommt zu einer Fahrsituation, die bisher noch nicht erlebt wurde und für deren Lösung Kenntnisse nicht vollständig, sondern nur bruchstückhaft vorhanden sind)

Provozierende Faktoren begleiten junges Fahren und bestimmen teilweise den Fahrtablauf und tragen so dazu bei, dass Situationen kritisch werden können:

  • Persönliches Beziehungsgefüge (das persönliche Umfeld, die "peer-group" ist bestimmend für das Fahren. Es ist äußerst wichtig, was die Freunde über einen denken und von einem halten)
  • Musik (es gibt kaum eine Fahrt ohne Musik, sie stimmt den Fahrer auf das Fahrziel ein. Die Musik wird nach dem Fahrziel ausgesucht - mal antreibend, mal besänftigend, mal ruhig, mal schnell)
  • bekannte Strecke (je bekannter, desto gefährlicher - man hat alles im Griff, das kennt man schon)

Gerade die typischen Fahrsituationen und die provozierenden Begleitfaktoren führen im Straßenverkehr zu gefährlichen Handlungsmustern, die sich besonders beim Kurvenfahren und beim Bremsen auswirken.

Die zweite Ausbildungsphase als Entdeckungsreise

Unter Betrachtung der beschriebenen Hintergründe ist die zweite Fahrausbildungsphase "Eine Entdeckungsreise in die Vielfältigkeit des Straßenverkehrs", ein Angebot für junge Fahrerinnen und Fahrer

  • als Unterstützung
  • als Hilfestellung
  • als Reiseführer
  • als Austauschforum
  • als Erfahrungsaustausch
  • zur Erfahrungsweitergabe
  • als Entdeckung von Neuem, bisher nicht Bekanntem

z.B., um

  • bisheriges Verhalten zu reflektieren und zu hinterfragen,
  • jugendliche Fahrmotive aufzudecken,
  • Unterschiede zwischen gelerntem und praktiziertem Verhalten aufzudecken (die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze der Straße),
  • praktische Erfahrungen im Umgang mit hoher Besetzung im Fahrzeug zu ermöglichen und
  • neue, persönliche und sichere Fahrstrategien zu entwickeln

und dient der Beantwortung normaler Fragen, wie z.B.

  • Wie gut fahre ich schon?
  • Stress beim Bremsen?
  • Musik im Auto?
  • Muffe (Angst) in den Kurven?
  • Was tun, wenn die Mitfahrer nerven?
  • Fahre ich nachts wirklich sicher?
  • Fahren und telefonieren?
  • Heikle Momente?
  • Modernes Autofahren - wie geht das wirklich?
  • Wie bleibe ich gelassen, trotz Zeitdruck?

Die zweite Fahrausbildungsphase (FSF-Seminar), als Entdeckungsreise alleine oder zusammen mit Freunden ist unter dem Aspekt "Neues erfahren - Spaß haben" eine gezielte, pädagogische Mischung aus Gruppentreffen in einem Seminarraum und praktischen Elementen im Straßenverkehr und auf einem Übungsgelände unter kompetenter Führung professioneller Begleiter.

Diese pädagogische Entdeckungsreise sollte dazu beitragen, junge Fahrern/innen in ihrem Lernprozess zu unterstützen und die Unfallzahlen dieser Altersgruppe zu reduzieren.

Die Fahrschulen kooperieren eng mit den Umsetzern der fahrpraktischen Übungen (PSÜ) - ADAC, Landesverkehrswachten und einige regionale Anbieter.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e.V. (DVR) unter:

www.zweitephase.de bzw. www.fuersicheresfahren.de.

Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e. V.
Internet: www.fahrlehrerverbaende.de

E-Mail: info@bvf-deutschland.de