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Die Fortbildungsseminare für
Fahranfänger (zweite Fahrausbildungsphase) wurden überwiegend zum
01.01.2004 eingeführt (in einigen Ländern erst zum 01.04.2004). Seit
Dezember 2003 haben sich 2.200 Seminarleiter qualifiziert und können somit
die amtliche Anerkennung zur Durchführung dieser Fortbildungsseminare
durch die zuständigen Verwaltungsbehörden erhalten.
Anmeldung
Vor Ort bei den Fahrschulen; Informationen
können auch die
Fahrlehrer-Landesverbände geben.
Wer darf am FSF-Seminar teilnehmen?
Teilnehmer, die mindestens sechs Monate
Inhaber einer Fahrerlaubnis der Klasse B sind und deren Probezeit nach §
2a des Straßenverkehrsgesetzes noch nicht abgelaufen ist.
Was kostet ein komplettes FSF-Seminar:
Zwischen € 260,00 und € 280,00 (darin ist
der Anteil für die praktischen Sicherheitsübungen von € 25,00 bis € 80,00
enthalten).
Der Ablauf der zweiten Ausbildungsphase
(FSF-Seminar)
In einem Zeitraum von zwei bis acht Wochen
durchlaufen Gruppen von sechs bis zwölf jungen Fahrerinnen und Fahrern
drei Gruppentreffen à 90 Minuten.
Jeweils zwischen zwei Gruppentreffen werden die praktischen Elemente
durchgeführt:
- eine Übungs- und Beobachtungsfahrt im
öffentlichen Straßenverkehr in kleinen Gruppen von zwei bis drei jungen
Fahrern mit einer reinen Fahrzeit pro Fahrer von 60 Minuten
- praktische Sicherheitsübungen für
Fahranfänger in der selben Gruppe wie in den theoretischen Teilen mit
einer Dauer von 240 Minuten auf einem geeigneten „abgeschlossenen“
Gelände.
Das erste Gruppentreffen dient der
Aktualisierung bzw. Problematisierung, also der Einstimmung auf die
Thematik, der Bewusstwerdung des Problems und der Beschreibung des
Ist-Zustandes der Erfahrungswelt der jungen Fahrer/innen.
Die praktischen Teile und das zweite
Gruppentreffen dienen der Konkretisierung (Information) und der Umsetzung
(Training) der vielfältigen Einflüsse, die Fahren bestimmen.
Im dritten Gruppentreffen findet der
Transfer für das zukünftige Verhalten im Straßenverkehr statt, also die
Erarbeitung von sicheren, persönlichen Fahrstrategien auf Basis der
gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse in den vorherigen vier
Seminarteilen.

Mit dem Abschluss der „Entdeckungsreise“ im
dritten Gruppentreffen besitzt jede(r) junge Fahrerin/Fahrer dann einen
persönlichen Bericht über die Vielfältigkeit des Straßenverkehrs,
verknüpft mit ganz persönlichen, sicheren Fahrstrategien für die Zukunft,
um auf Basis der vorhandenen Erfahrungen eine Kompetenzerhöhung für
gefährdungsvermeidendes Verhalten zu erhalten und Verantwortung für
sicheres Fahren zu übernehmen, damit zukünftig die Unfallzahlen in dieser
Altersgruppe gesenkt werden können.
Probezeitverkürzung
Da das System der zweiten
Fahrausbildungsphase freiwillig ist, also nicht von jedem besucht werden
muss, ist die Teilnahme mit folgendem Anreiz versehen:
- junge Fahrer/innen können durch die
Teilnahme ihre Regelprobezeit von 2 Jahren auf maximal 1 Jahr verkürzen;
- junge Fahrer/innen, die sich bereits in
der verlängerten Probezeit befinden, können diese von 4 Jahren auf
maximal 3 Jahre verkürzen.
Wer führt die Seminare durch?
Damit in dieser pädagogisch geführten
„Entdeckungsreise“ auch die gewünschten Ziele erreicht werden, bedarf es
ausgesprochen professioneller Begleiter, die die jungen Fahrer/innen in
der Erfahrungssammlung und -auswertung unterstützen.
Die Gruppentreffen und die praktische
Übungs- und Beobachtungsfahrt werden von speziell dafür ausgebildeten
Fahrlehrern (Seminarleitern) durchgeführt, die schon vielfältige
Erfahrungen in der Durchführung von Aufbauseminaren haben.
Die praktischen Sicherheitsübungen für
Fahranfänger werden von einem speziell für diese Aufgabe ausgebildeten
Moderator des Pkw-Sicherheitstrainings durchgeführt.
Dabei müssen beide miteinander kooperieren
und sich austauschen, um die Ziele der zweiten Fahrausbildungsphase zu
erreichen, da die einzelnen Seminarteile miteinander zusammenhängen und
nicht losgelöst betrachtet werden dürfen.
Wissenschaftliche Begleitung
Durch eine wissenschaftliche
Begleituntersuchung soll zeitnah geprüft werden, ob Optimierungsbedarf
besteht und ob die Ziele erreicht werden.
Warum eine zweite Ausbildungsphase
(FSF-Seminare)?
Um die Ziele, Inhalte, Aufbau und
Vorgehensweisen der zweiten Fahrausbildungsphase nachvollziehen zu können,
bedarf es einer systematischen Betrachtung der Zielgruppe der jungen
Fahranfänger im Alter von 17 bis ca. 24 Jahren.
Dieser Lebensabschnitt wird geprägt durch
eine Vielzahl von Wünschen an die zukünftige Gestaltung des persönlichen
Lebens und seines Umfeldes. Beim Eintritt in die Erwachsenenwelt rücken
Faktoren in den Mittelpunkt, die eher emotionalen Charakter besitzen:
- das andere Geschlecht bzw. die
Bestimmung der eigenen sexuellen Ansprüche gewinnt zunehmend an
Bedeutung;
- das Finden und Eingehen einer
Partnerschaft, die Bindung an eine andere Person, erhält einen ernst zu
nehmenden Stellenwert, verbunden mit einer Suche nach Geborgenheit, den
Arm, an den man sich anlehnen kann;
- die Suche nach der zukünftigen
beruflichen Betätigung;
- der Genuss des Lebens, verbunden mit
Spaß oder "Fun";
- der ausgeprägte Wunsch nach neuer,
selbstbestimmter Mobilität, einer Unabhängigkeit vom "Taxi-Mami" oder
"Taxi-Papi", um sich z.B. die beschriebenen Wünsche in einer neuen
Qualität erfüllen zu können.
Dabei spielt der Führerschein in dieser
Phase eine entscheidende Rolle. Er ist die Voraussetzung dafür,
selbstgestaltete Mobilität zu erfahren und stellt in unserer Gesellschaft
den "einzigen", nach außen sichtbaren Beweis dar, den Übergang in die
Erwachsenenwelt geschafft zu haben.
Begleitet von diesen Wünschen und Motiven
durchlaufen die jungen Menschen die Fahrausbildung. Sie erlernen, wie man
ein Fahrzeug sicher durch den Straßenverkehr bewegt, und welche
Spielregeln dabei gelten. Überwiegend theoretisch erfahren sie teilweise
auch, wie sich Emotionen und fahrphysikalische Bedingungen auf das Fahren
auswirken können, aber immer unter der Begleitung eines Profis, der in dem
einen oder anderen Fall die "Notbremse" zieht, vielfach überraschend.
Mit Erhalt des Führerscheins fällt die
schützende Führung des Profis weg und die Realität des Straßenverkehrs
zeigt sich in all seinen Auswirkungen mit voller Wucht. Dabei haben die
jungen Menschen eine relativ geringe Fahrerfahrung und lernen neue
Verkehrswirklichkeiten (Fahrsituationen und soziale Situationen) kennen,
die sie in der Fahrausbildung bisher nicht erlebt haben und erleben
konnten und für die sie noch keine Lösungen parat haben können.
Das Anfängerrisiko
Diese brisante Mischung, in der
Wissenschaft mit den Begriffen "Anfängerrisiko" und
"Jugendlichkeitsrisiko" umschrieben, führt zu einem Gesamtrisiko, das
vielfach mit schlimmen Schicksalsschlägen verbunden ist.
Die statistischen Zahlen beschreiben dieses
Dilemma nüchtern, aber deutlich.
Der Bevölkerungsanteil der jungen Menschen
im Alter von 18 bis unter 25 Jahren liegt in der Bundesrepublik
Deutschland bei ca. 8%. Bei den Toten und Verletzten im Straßenverkehr hat
diese Altersgruppe einen Anteil von ca. 22% und bei den getöteten
Pkw-Fahrern und Pkw-Mitfahrern sogar einen Anteil von etwas mehr als 32%,
also fast ein Drittel aller bei einem Pkw Getöteten entstammen dieser
Altersgruppe. Damit sind der Straßenverkehr und besonders die Fahrt in
einem Pkw die Haupttodesursache von jungen Menschen im Alter von 18 bis 24
Jahren. Übrigens nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches, ja
weltweites Problem.
Fahranfänger unterliegen einem
"Perfektionszwang", also von Beginn an gleich alles perfekt und richtig
machen zu müssen.
Das Regelwerk des Straßenverkehrs gestattet
keine Fehler. Dies bedeutet, dass keine Lehrjahre zugestanden werden. Es
findet im Straßenverkehr ein "Erwachsen-Werden" ohne Lernprozess statt.
Junge Menschen lösen dieses Problem mit "Cool-Sein" als
Bewältigungsstrategie.
Die Freizeitgestaltung junger Menschen
findet, auch in Ballungszentren, überwiegend mit dem Fahrzeug statt. Dabei
ist der Besetzungsgrad (Anzahl der Mitfahrer) in den Fahrzeugen
außergewöhnlich hoch.
„Junges“ Fahren ist kein rationales Fahren
von A nach B, sondern wird durch Wegeketten bestimmt, vielfach spontan und
nicht planbar.
Beim „jungen“ Fahren lassen sich vier
typische Fahrsituationen (soziale Situationen) beschreiben, die zu
kritischen Situationen führen:
- Beweisführung/Test (man versucht
zu zeigen, dass man sein Fahrzeug beherrscht und sucht geradezu
Situationen auf, um sich selbst und sein Fahrzeug darin zu testen,
herauszubekommen, was man schon kann)
- Ausblenden (in einer
Fahrsituation werden die vielleicht schon bekannten Gefahren bzw.
Risiken verdrängt, regelrecht ausgeblendet. Die Fahrsituation und deren
scheinbar coole Bewältigung steht im Vordergrund.)
- Ausbruch (der Moment, der Flirt
mit dem/der Beifahrer(in), die vorhandene Emotion bestimmt die
Fahrsituation und führt zu ganz spontanen Ausbrüchen, so als ob mit
einem die "Pferde durchgehen".)
- Bruchwerke (es kommt zu einer
Fahrsituation, die bisher noch nicht erlebt wurde und für deren Lösung
Kenntnisse nicht vollständig, sondern nur bruchstückhaft vorhanden sind)
Provozierende Faktoren begleiten junges
Fahren und bestimmen teilweise den Fahrtablauf und tragen so dazu bei,
dass Situationen kritisch werden können:
- Persönliches Beziehungsgefüge
(das persönliche Umfeld, die "peer-group" ist bestimmend für das Fahren.
Es ist äußerst wichtig, was die Freunde über einen denken und von einem
halten)
- Musik (es gibt kaum eine Fahrt
ohne Musik, sie stimmt den Fahrer auf das Fahrziel ein. Die Musik wird
nach dem Fahrziel ausgesucht - mal antreibend, mal besänftigend, mal
ruhig, mal schnell)
- bekannte Strecke (je bekannter,
desto gefährlicher - man hat alles im Griff, das kennt man schon)
Gerade die typischen Fahrsituationen und
die provozierenden Begleitfaktoren führen im Straßenverkehr zu
gefährlichen Handlungsmustern, die sich besonders beim Kurvenfahren und
beim Bremsen auswirken.
Die zweite Ausbildungsphase als
Entdeckungsreise
Unter Betrachtung der beschriebenen
Hintergründe ist die zweite Fahrausbildungsphase "Eine Entdeckungsreise in
die Vielfältigkeit des Straßenverkehrs", ein Angebot für junge Fahrerinnen
und Fahrer
- als Unterstützung
- als Hilfestellung
- als Reiseführer
- als Austauschforum
- als Erfahrungsaustausch
- zur Erfahrungsweitergabe
- als Entdeckung von Neuem, bisher nicht
Bekanntem
z.B., um
- bisheriges Verhalten zu reflektieren und
zu hinterfragen,
- jugendliche Fahrmotive aufzudecken,
- Unterschiede zwischen gelerntem und
praktiziertem Verhalten aufzudecken (die geschriebenen und
ungeschriebenen Gesetze der Straße),
- praktische Erfahrungen im Umgang mit
hoher Besetzung im Fahrzeug zu ermöglichen und
- neue, persönliche und sichere
Fahrstrategien zu entwickeln
und dient der Beantwortung normaler Fragen,
wie z.B.
- Wie gut fahre ich schon?
- Stress beim Bremsen?
- Musik im Auto?
- Muffe (Angst) in den Kurven?
- Was tun, wenn die Mitfahrer nerven?
- Fahre ich nachts wirklich sicher?
- Fahren und telefonieren?
- Heikle Momente?
- Modernes Autofahren - wie geht das
wirklich?
- Wie bleibe ich gelassen, trotz
Zeitdruck?
Die zweite Fahrausbildungsphase
(FSF-Seminar), als Entdeckungsreise alleine oder zusammen mit Freunden ist
unter dem Aspekt "Neues erfahren - Spaß haben" eine gezielte, pädagogische
Mischung aus Gruppentreffen in einem Seminarraum und praktischen Elementen
im Straßenverkehr und auf einem Übungsgelände unter kompetenter Führung
professioneller Begleiter.
Diese pädagogische Entdeckungsreise sollte
dazu beitragen, junge Fahrern/innen in ihrem Lernprozess zu unterstützen
und die Unfallzahlen dieser Altersgruppe zu reduzieren.
Die Fahrschulen kooperieren eng mit den
Umsetzern der fahrpraktischen Übungen (PSÜ) - ADAC, Landesverkehrswachten
und einige regionale Anbieter.
Weitere Informationen finden Sie auf der
Homepage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e.V. (DVR) unter:
www.zweitephase.de bzw.
www.fuersicheresfahren.de.
Bundesvereinigung der
Fahrlehrerverbände e. V.
Internet:
www.fahrlehrerverbaende.de
E-Mail:
info@bvf-deutschland.de |