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Leserbrief
vom 16.11.2010
In der Ausgabe vom
15.4.2010 wurde unter der Überschrift „wenig Fahrstunden, viele
Durchfaller“ über die Ausbildungsangebote der Fahrschulen berichtet.
In diesem Artikel haben sich einige Fehler eingeschlichen, die der
Richtigstellung bedürfen. Außerdem werden einige Behauptungen
aufgestellt, die nicht auf Fakten gestützt sind.
1. Für
uns ist nicht nachvollziehbar, woher der ACE Sprecher Rainer
Hillgärtner die Erkenntnis bezieht, dass in Hessen die Fahrschüler
die meisten Fahrstunden nehmen. Nach unseren Informationen gibt es
keine belastbaren Statistiken über die Zahl der Fahrstunden in den
einzelnen Bundesländern. Bei der Erfassung der
Fahrerlaubnisprüfungen scheint es aber unterschiedliche Verfahren zu
geben. Denkbar wäre, dass der TÜV in Hessen nur die Erstprüfungen
zur Berechnung der Erfolgsquote heranzieht, die anderen TÜVe aber
alle Prüfungen bewerten. Stellt beispielsweise eine Fahrschule in
einem Jahr 60 Fahrschüler zur Prüfung vor, von denen 50 die Prüfung
auf Anhieb bestehen, ist die Erfolgsquote 83,3 %. Wenn einzelne der
zehn Bewerber, die die erste Prüfung nicht bestanden hatten, mehrere
Wiederholungsprüfungen bis zum Erfolg benötigen, was oft der Fall
ist, erscheinen in der Statistik der Fahrschule unter Umständen 80
Prüfungen. Nach der TÜV Statistik hat sie dann nur noch einen Erfolg
von 62,5 %. Das Ergebnis dieser Fahrschule sieht also je nach
Erfassung der Prüfungen um rund 21 Prozentpunkte schlechter aus.
2. Gebhard
Heiler hat in einem Artikel für den „WEGWEISER“ der Deutschen
Fahrlehrer Akademie nicht behauptet, dass die Prüflinge aufgrund des
Überangebotes an Fahrschulen abgezockt werden. Er hat vielmehr
geschrieben, dass es skandalös wäre, wenn Fahrschulen und
Prüforganisationen bewusst eine höhere Nichtbestehensquote
einkalkulieren würden.
3. Die
Nichtbestehensquote bei den Fahrschulen in Baden-Württemberg
schwankt in der Klasse BE nach unseren Kenntnissen zwischen zwölf
und mehr als 50 Prozent. Grund für diesen gravierenden Unterschied
kann teilweise eine schlechtere Ausbildungsqualität sein. Teilweise
können die Ergebnisse aber auch auf den Bildungsstand der
Fahrschüler zurückgeführt werden. Interessant ist aber, dass die
Nichtbestehensquote in den Motorrad- und Lkw-Klassen deutlich
geringer ist als in der Klasse B. Dies dürfte ein Indiz für die bei
den Bewerbern um diese Klassen höhere Lernbereitschaft und das
stärkere persönliche Interesse am Erwerb des Führerscheins sein.
4. Uns
ist kein europäisches Land bekannt, das über ein
Qualitätssicherungssystem für Fahrschulen verfügt, in dessen
Mittelpunkt die Ausbildungsqualität steht.
5. Der
überwiegende Teil der Fahrlehrer, die im Beruf tätig sind, haben
sich die notwendigen Kenntnisse in regelmäßiger Fortbildung
angeeignet. Skandalös ist es, dass neu in den Beruf kommende
Fahrlehrer aufgrund der unbefriedigenden Zugangsvoraussetzungen und
der zu kurzen Ausbildungsdauer nicht von vornherein mit dem
notwendigen Wissen ausgestattet sein können.
6. Durchschnittlich
benötigt ein Anfänger heute nicht etwa 25 Fahrstunden. Diese reichen
in den kleineren und mittleren Prüforten für die so genannte
Grundausbildung. In Stuttgart und in anderen großen Prüforten werden
aber deutlich mehr benötigt. Dazu kommen in allen Prüforten noch die
vorgeschriebenen zwölf besonderen Ausbildungsfahrten auf Autobahnen,
Überlandstrecken und bei Nacht.
Wir würden uns
freuen, wenn Sie Ihre Leser über diese Fakten informieren würden.
FAHRLEHRERVERBAND
Baden-Württemberg e.V. |